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ufälle gibt es nicht: Aufgrund Ihres Talents und ihrem besonderen Fleiß wurde Avitall Gerstetter Berlins erste jüdische Kantorin. Das hatte es in Deutschland noch nicht mal vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Viel verdankt sie hierbei Ihrer Mutter, die Musik- und Bat Mizwa-Lehrerin Chava Gerstetter, die sie von klein auf an die Musik herangeführt hat. Mit dem Abi in der Tasche studierte Avitall als Hauptfach Gesang bei Professor Rudolf Riemer, sowie Klavier, Klarinette und Tanz an der Universität der Künste Berlin. Ihr besonders Gesangstalent schlug im Chor der Jüdischen Gemeinde der Synagoge Pestalozzistraße ein wie eine Bombe. Daher ermutigte sie der Oberkantor Estrongo Nachama, Kantorin zu werden. Avitall erkannte die Aufrichtigkeit seiner Worte und schloss ihre Kantorenausbildung 2001 in New York ab. Seit dem amtiert sie regelmäßig in den Synagogen Oranienburger Straße und Hüttenweg.

Nach ihrem blitzartigen Aufstieg musste Avitall feststellen, dass sich zunehmend Widerstände gegen sie mobilisiert hatten, was meiner Ansicht nach entweder auf Engstirnigkeit oder Neid zurückzuführen ist. So wurde 2005 ihr Arbeitsvertrag von der Jüdischen Gemeinde aufgelöst, da sie mit ihrer liberalen Auslegung des Judentums auf Widerstand in orthodoxen Kreisen gestoßen war. Doch Avitall ließ sich nicht einschüchtern und zog gegen ihre Kündigung vor Gericht. Als das Arbeitsgericht ihre Kündigung vor unwirksam erklärt hatte, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Ihre Religion und ihre Musik sind für sie nämlich die Bestimmung Ihres Lebens. Daher würde sie ihren Idealismus für nichts in der Welt aufgeben.

Wie bunt ihre Welt ist, zeigte sich beispielsweise im Jahre 2005 als sie ein interkonfessionelles Fußballturnier, den "Avitallscup", organisiert hatte. Bei der zweiten Austragung im Juni 2006 spielten je eine atheistische, christliche, jüdische und muslimische Mannschaft. Dies wurde von Promineten wie Ulla Meinecke unterstützt, während Hans-Christian Ströbele als Schiedsrichter fungierte.

Das Interesse an Ihrem Gesang stieg währenddessen weltweit an. Daher gab sie zahlreiche Konzerte in Deutschland, England, Italien und in den USA. Das Spektrum ihrer Musik umfasst Klassik, Lieder in Jiddisch sowie synagogale Musik.

Doch während der Libanonkrieg tobte, kam es im September 2006 schließlich zur Katastrophe: Im Vorfeld eines Konzerts in Trier wollte die Geschäftsführerin einer Tuchfabrik ihre Raumzusage aufgrund des Krieges zurückziehen. Was sollte denn eine weltoffene Sängerin wie Avitall mit den Aktionen des israelischen Militärs zu tun haben? Erst nach Protesten der Jüdischen Gemeinde wurde dieser Skandal wieder gerade gerückt, und Avitalls Stern leuchtet über Berlin jetzt noch heller...

Konstantin Wecker ist ein Künstler, der sich von Anbeginn politisch arrangiert hat. Auch er hat immer wieder zum Umdenken und zu Toleranz in der Gesellschaft aufgerufen. Beispielsweise nahm er 1982 an einer Konzertreihe "Künstler für den Frieden" teil. Als Fortführer der 68er-Bewegung hat er sich seit dem immer wieder mit dem politischen Zeitgeschehen auseinandergesetzt.

Auch er musste nicht lange warten, bis ihm die ersten Steine in den Weg seiner Karriere gelegt wurden. Die ersten Steine stammen von ihm selbst, da er seit seinen frühen Erfolgen damit anfing, Kokain zu schnupfen. Obwohl er sich in all den Jahren auch künstlerisch mit seiner Sucht auseinander gesetzt hat, konnte er sich lange Zeit nicht von ihr lösen. Auf dem traurigen Höhepunkt seiner Sucht soll er sogar Wahnvorstellungen gehabt haben. Somit kam es am 29. November 1995 dazu, dass er wegen Kokainmissbrauch verhaftet wurde. Nachdem sich die Gerichtsverfahren über Jahre hingezogen hatten, wurde er schließlich im April 2000 zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Doch Wecker nutzte seine Bewährung, und es gelang ihm, über seinen Schatten zu springen. Somit stand er als Künstler schnell wieder auf den Beinen und gilt seit dem als Vorbild, wie man Drogen erfolgreich in die Flucht schlägt.

Anfang 2003, kurz vor dem Ausbruch des Irakkriegs, erfolgte auf Konstantin Wecker meines Achtens ein sehr unfairer Angriff von dem Journalisten Henryk M. Broder. Der Angriff erfolgte, weil Broder wegen eines Wecker-Konzerts in Bagdad nicht zwischen der irakischen Bevölkerung und der damaligen Regierung unterscheiden konnte. Somit warf er Wecker die geistige Nähe zu Saddam Hussein vor:

Komentar von Henryk M. Broder "Datteln für den Frieden" vom 11. Januar 2003

Durch Wortschöpfungen wie "Passivkoksen" und anderen Blackouts zeigt Broder dabei das ganze Potential eines geistigen Tieffliegers und "Porno-Verfassers". Die letzte Bezeichnung wollte er Evelyn Hecht-Galinski juristisch verbieten lassen, was aber scheiterte. Seit dem gilt Broder als "juristisch geprüfter Porno-Verfasser" :o)

Wecker ließ sich davon natürlich nicht beirren und trat auf weiteren Kundgebungen der Friedensbewegung auf. Im Jahre 2006 folgte mit Strom + Wasser eine Tour durch Ostdeutschland, die unter das Motto "Nazis raus aus dieser Stadt" gestellt wurde. Für Turbulenzen sorgten die Absagen der Konzerte in Hoyerswerda und in Halberstadt. Gemäß Presseberichten hatten NPD-Politiker durch Ankündigungen von Störaktionen dafür gesorgt, dass ein Konzert in einem Gymnasium in Halberstadt in Sachsen-Anhalt abgesagt wurde. Dazu erklärte der Landrat Henning Rühe scheinheilig, dass man nicht riskieren wolle, dass die NPD sich das Recht einklagt, ebenfalls in der Schule Veranstaltungen abhalten zu können. Wo gibt es denn so etwas, dass sich Landräte von der NPD die Rechte lesen lassen?

Konstantin Wecker lässt sich jedoch von niemanden nötigen. Daher gab er am 17. Juni 2006 schließlich doch ein Open-Air-Konzert in Halberstadt (Düsterngraben). Mit von der Partie waren Hannes Wader, Hans-Eckardt Wenzel, Strom + Wasser (Heinz Ratz) und der afghanische Perkussionist Hakim Ludin.

Aufgrund ihrer Nehmerqualitäten und ihrem Arrangement für den Humanismus war es somit sicherlich kein Zufall, dass sich Avitall und Konstantin Wecker eines Tages getroffen haben. Avitall hatte Wecker darum gebeten, mit ihr eine Benefiz-CD für Hagalil aufzunehmen. Die Hagalil ist ein aufklärender jüdischer Verein, dem damals die staatliche Förderung gestrichen wurde. So wie Avitall und Wecker auf dem CD-Cover zusammen harmonieren, muss man wohl zugeben, dass diese beiden die Besten waren, die Hagalil für diese Aufgabe finden konnte.

Es bleibt zu hoffen, dass die Welt der beiden so bunt bleibt, wie sie ist, und dass ihnen in Zukunft keine Steine mehr in den Weg gelegt werden. Der Weg zur Völkerverständigung ist manchmal sehr eisig, so dass man denkt, wir befinden uns im tiefsten Winter. Doch wenn sich immer mehr Menschen den Sichtweisen von Avitall und Wecker anschließen, erwachen wir vielleicht eines Tages und sehen vor unseren Fenstern Gottes Morgentau. "Gottes Morgentau" ist auch die übersetzung des Namens "Avitall". Zufälle gibt es nicht...

Herzlichst
Ihr Punisher


Quellen

Artikel bei der Berliner Zeitung vom 31.07.2000

Artikel bei der Berliner Morgenpost vom 07.09.2003

Interview in der TAZ vom 06.06.2005

Artikel bei Welt Online vom 04.12.2005

Artikel beim Tagesspiegel vom 24.06.2006, Artikel bei der TAZ vom 26.06.2006

Artikel bei der TAZ vom 05.08.2006

http://de.wikipedia.org/wiki/Avitall_Gerstetter

http://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Wecker

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Interpret: Avitall + Konstantin Wecker

Lied: Sage Nein zu Antisemitsmus!

Album: -

Jahr: 2005

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Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,
über Juden Witze machen,
über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen
saufend ihrer Dummheit frönen,
denn am Deutschen hinterm Tresen
muss nun mal die Welt genesen,
dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!

Meistens rückt dann ein Herr Wichtig
die Geschichte wieder richtig,
faselt von der Auschwitzlüge,
leider kennt man's zur Genüge -
mach dich stark und misch dich ein,
zeig es diesem dummen Schwein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Banker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Und wenn jetzt die Neunmalklugen
ihre Einsamkeit benutzen
unsren Aufschrei zu verhöhnen,
öffentlich zurechtzustutzen,
wolln wir statt mit Eitelkeiten
und Zynismus abzulenken,
endlich mal zusammenstehn,
endlich mit dem Herzen denken.
Lasst uns doch zusammen schrein:
Sage nein!

Und wenn sie in deiner Schule
plötzlich lästern über Schwule,
schwarze Kinder spüren lassen,
wie sie andre Rassen hassen,
Lehrer, anstatt auszusterben,
Deutschland wieder braun verfärben,
hab dann keine Angst zu schrein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
ob als Schüler oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

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