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Der Punisher am 16. Juni 2008

ie Kindheit eines Menschen ist voll von Erlebnissen, von denen er einige bis zu seinem 18. Lebensjahr längst wieder vergessen hat. Manchmal fallen uns bestimmte dieser Ereignisse als Erwachsene wieder ein, und wir stellen fest, dass sie uns entscheidend geprägt haben. Im Jahre 2003 löste solch eine Kindheitserinnerung bei mir der Irakkrieg aus: Als 11-jähriger fuhr ich in einem Bus voller Halbwüchsiger, die auf den Weg zu einem Ferienlager waren. Es war für uns Jungs das Alter, in dem uns die Bedeutung der Geschlechter zwar so langsam bewusst wurde, aber wir das nie zugeben würden. Deshalb verbrachten wir den Großteil der Busfahrt damit, Mädchen zu ärgern, was manche von ihnen zu regelrechten Furien machte. Plötzlich erklang Nenas "99 Luftballons" aus einem Kassettenrecorder und vergessen waren alle vorpubertären Neckereien. Wie unter Trance sagen wir ein Lied, bei dem wir trotz unseres bescheidenen Alters erkannten, dass es in dem Text um etwas ging, was für die Menschheit eine zentrale Bedeutung hat: Der Krieg und die Lügen, mit denen er gerechtfertigt wird...

"Doppelgesicht" Gerhard Schröder:

In seiner Rede vom 18. März 2003 noch glaubwürdig...

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Als die Rot/Grüne Regierung im Jahre 2003 ihr NEIN zum Irakkrieg bekräftigte, hätte einer meiner Kindheitsträume Wirklichkeit werden können. Ergriffen hörte ich mir wenige Tage vor Kriegsausbruch eine Rede Schröders im TV an, in der er von einer friedlichen Entwaffnung des Iraks gesprochen hatte. Doch ich war nicht der Einzige, der die böse Vorahnung hatte, dass hier ein Mann mit zwei Gesichtern zu uns sprach. Er schien im Schatten von Menschen ohne Gesicht zu stehen, denn sehr zweifelhaft ist bis heute die Rolle der deutschen Geheimdienste im Irakkrieg. Die Kernfrage ist, ob der BND eine entscheidende Mitschuld an einer der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte trägt.

Im Klartext macht David Kay, der ehemalige Sonderbeauftragte für die Suche nach den Massenvernichtungswaffen, dem BND schwere Vorwürfe: Die Behörde hätte im Bezug auf eine Quelle namens "Curveball" unehrlich, unprofessionell und verantwortungslos gehandelt. Auch Powells Stabschef Wilkerson möchte den Deutschen nicht so Recht einen Freibrief ausstellen. Ich denke, dass er mit seiner Einschätzung richtig liegt. Schließlich sind BND-Agenten keine kleinen Jungs, die "Reise nach Jerusalem" spielen. Diese Damen und Herrschaften haben alle möglichen Sonderprivilegien, die Fakten vorher klar zu machen, bevor sie Informationen weitergeben und als plausibel einstufen. Anders sieht das natürlich aus, wenn man aus politischen Gründen "den Dackel macht"...

Hochstapler "Curveball":

Trotz seiner Verbrechen immer noch ein "Freund" des BND...

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Welche Person ist es eigentlich, die hinter der fragwürdigen Quelle "Curveball" steckt? Die Spur führt nach Süddeutschland: Ein Mann mit dem richtigen Namen Rafid Ahmed Alwan, dessen Identität erst Anfang 2007 enthüllt wurde. [1] Bereits 1999 hatte der Ingenieur in Deutschland Asyl beantragt und erzählte "Ammenmärchen" darüber, dass er im Irak ein Spezialist für chemische Kampfstoffe gewesen sei. [2] [3] Die stets auf ihre Karriereleiter bedachten BND-Agenten konnte man leicht hinters Licht führen. Sie "tätscheln" ihren Informanten selbst heute noch mit allerlei Privilegien. Daher gaben sie Fehlinformationen fahrlässig an das CIA weiter, die dann Colin Powell in seiner Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat vom 5. Februar 2003 zu Propagandazwecken entscheidend verwenden konnte. [4]

Wie konnte es trotz des hohen moralischen Anspruchs der deutschen Regierung zu solch einer Panne kommen? Warum ist sie nicht zur Selbstkritik fähig und belohnt stattdessen einen Verbrecher, der mittlerweile zumindest von den US-Amerikanern so eingestuft wird? Den Schlüssel hierzu lieferte die skandalöse Vorgehensweise des BND, um an Informationen zu gelangen, mit reinem Wunschdenken als Antrieb. Dabei wurde dem BND vom gesamten Kanzleramt grünes Licht gegeben. Dazu gehörten damals Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der heutige BND-Präsident Ernst Uhrlau, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer und der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck. Zwar hatten sie bei ihren jeweiligen Treffen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit "Curveballs" geäußert, aber ein fester Sitz im Sattel einer imperialistischen Großmacht war ihnen wohl lieber als das Retten von Menschenleben...

Im Jahre 1999 besuchte der BND das bayrische Auffanglager für Asylbewerber in Zindorf. Natürlich nicht, um deren Leidensgeschichten zu erfahren, sondern aus reinem Selbstzweck. Viele der Insassen dort hatten sich die Freiheit anders vorgestellt, denn ihr "neues Leben" hatte etwas von einem Gefängnis. Bei den irakischen Flüchtlingen machte es daher schnell die Runde, den "Verschwörungstheorien" mancher BND-Mitarbeiter Substanz zu geben. Der berühmteste BND-Mitarbeiter dieser Art hatte den Decknamen der "Doktor" und arbeitete schon zwölf Jahre für den BND. Endlich hatte er mit "Curveball" einen "Seelenverwandten" gefunden, durch den er glaubte beweisen zu können, dass er selbst "007" in den Schatten stellen könne. Allerdings hatte eine spezielle UNO-Kommission den Irak schon seit 1991 nach Massenvernichtungswaffen durchsucht. Zusammen mit dem nach Jordanien desertierte Schwiegersohn Saddams, Kamil Hassan, kamen sie zu einem einstimmigen Ergebnis: Dort war nichts mehr, absolut nichts! Das wollte unser "Doktor", bei dem sich Traum und Wirklichkeit zunehmend miteinander vermischten, aber einfach nicht glauben. Die Märchenstunden mit seinem "neuen Freund" häuften sich hingegen, und irgendwann wusste unser Doktor wohl nicht mehr, wer von beiden hier der "nützliche Trottel" war....

Doch auch andere Nachrichtendienste und eine Zeit lang auch die UNO-Inspektoren waren auf der Suche nach dem, was manche Menschen als "fliegende Elefanten und weiße Mäuse" bezeichnen. Die Geschichten um Saddams Massenvernichtungswaffen glichen somit zunehmend einer schlechten Episode vom "McGyver": Sogar in Wagen für Speiseeis hatte man Massenvernichtungswaffen vermutet. Alle Beweise gegen ihre Theorie wollten BND und CIA nicht gelten lassen. Auch nicht die Satellitenfotos, die deutlich den Darstellungen von "Curveball" widersprachen: Gestochen scharfe Bilder von massiven Mauern an angeblichen Abfüllstationen. Sie wurden als Kulisse abgetan...

Daher wurde Rafeds Asylantrag nach nur wenigen Wochen genehmigt, und er ist mittlerweile zu einem wohlhabenden Mann geworden. Er lebt in einer Eigentumswohnung, hat einen Schrank voller Anzüge, literweise Whisky und hat sich mit dem westlichen Wohlstand bestens vertraut gemacht. Seine BND-Akte, die den US-Amerikanern nach dem 11. September überlassen wurde, war das I-Tüpfelchen, mit dem die USA zumindest für sich und seine Verbündeten die Invasion im Irak moralisch rechtfertigen konnten. In dicken Geheimdienstakten kann doch nicht alles Lüge sein. Oder doch??

Angela Merkel, Friedensgegnerin von 2003:

Das liesen sich deutsche Karikaturisten nicht gefallen.

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Mit Blick auf die gespaltene Lage vor Kriegsausbruch in der BRD, schienen die Grenzen zwischen offenen Kriegstreibern, Pazifisten und Handlangern zunehmend zu verschwimmen, vor allem in der Politik. Angela Merkel, Friedrich Merz und Guido Westerwelle gehörten wohl in die Kategorie "offene Kriegstreiber", auch wenn diese heutzutage scheinbar nicht mehr wissen, was durch zahlreiche Video- und Tonmitschnitte bewiesen ist... Dann gab es August Hanning, damals BND-Präsident und heute Staatssekretär im Innenministerium, der die Kenntnisse seiner Behörde zunächst vorsichtig interpretierte, da er wohl nicht zu den "offenen Kriegstreibern" gezählt werden wollte. Glaube kann aber Berge versetzen, und dieser wurde auf einer geheimen BND-Sitzung besprochen, die am 13. November 2002 stattfand. Diesmal machte Hanning nur eine kurze Einführung und übergab dann an seinen "Mann vom Fach", Hans Dieter H. Bei dessen widersprüchlichen Aussagen muss man sich schon fragen, ob man es hier mit einem "Gurkendoktor" zu tun hat. Zunächst sagte er, über "Saddams Biowaffen" gebe es keine eindeutigen Kenntnisse, verkündete dann aber später noch absurderen Bullshit über "Saddams Atomwaffen". Er Schloss mit dem Satz "Wir sind in der Lage, dies alles zu belegen", und reihte sich somit ein in die Reihe der "Clowns", wie sie es damals beim CIA haufenweise gegeben hat. Hanning und sein Experte glaubten offenbar wirklich, was sie sich da in gemütlicher Runde gegenseitig verzapft haben. Sie hatten nämlich schon im Herbst 2001 nach der Befragung von "Curveball" nicht versäumt, 60 Millionen Euro für Pockenimpfstoff zur "astreinen Steuerverschwendung" zu machen...

BND-Agenten zur Zielerfassung im Irak:

Auch das regte die Kreativität der deutschen Karikaturisten an.

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Wochen nach der deutschen "Geheimbundsitzung" meldete sich damalige CIA-Chef Tenet mit einer ungewöhnlichen Bitte an die Bundesregierung: Einerseits bat er um grünes Licht, dass er "Curveballs" Aussagen uneingeschränkt verwenden dürfe, anderseits wollte er die Erlaubnis, ihn selbst vernehmen zu dürfen. Nun kam wieder das "glorreiche" Kanzleramt ins Spiel: Anscheinend wollte man "gute Alliierte" sein, aber "schlechte Lügner" gegenüber dem eigenen Volk... Daher schütze man zwar den Hochstapler "Curveball", schickte aber Spürpanzer nach Kuwait, gab den US-Amerikanern Überflugrechte, beteiligte sich an der Luftüberwachung der Türkei, und schickte BND-Agenten zur Zielerfassung in den Irak. [5] Letztere haben angeblich die US-Amerikaner nur vom Schießen auf Zivilisten abhalten wollen mit der Methode, schießt auf alles, nur nicht auf das, was wir gerade sehen. Das ist meiner Meinung nach noch besser als "Poppen für die Keuschheit". Auch das Bundesverwaltungsgericht betrachtet jegliche deutsche Unterstützung im Irakkrieg als völkerrechtswidrige Delikte. [6] Dazu kamen noch die Medien, wo selbst die öffentlich Rechtlichen von einer halben Million Kinder zu berichten wussten, die Saddam Hussein angeblich in Salzsäurefässer aufgelöst hätte. Diese Geschichte, die sich Journalisten offensichtlich im "Konferenzraum 00" erzählt haben, geriet mittlerweile völlig in Vergessenheit. Die Damen und Herrschaften werden schon wissen, warum... Die Kinder starben nämlich in Wirklichkeit durch die UNO-Sanktionen an Hunger oder Medikamentenmangel. Aber Journalisten mit Zivilcourage gibt es eben meist nur in der Fantasienwelt von Hollywood... Scheinbar wollten sich weder die Presse, noch unsere Regierung hinterher sagen lassen, dass sie "Saddams Schweinereien" unterschlagen hätten und sie deshalb für den Tod von GI's verantwortlich seien. Nein! Sie wollten lieber für den Tod unschuldiger irakischer Frauen und Kinder mitverantwortlich sein. Schließlich sind das keine potentiellen Kunden...

Das Antwortschreiben des BND an die US-Amerikaner war dann ein "Geduckse" zwischen dem Hinweis auf eigene Verantwortung im Falle einer Verwendung der Informationen und anderseits, dass man "neige dazu zu glauben", dass die Vorwürfe gegen Saddam Hussein plausibel seien. Mit anderen Worten versuchte man einen Spagat, der so schrecklich aussah, als würde man dabei einen Tritt in die Eier bekommen... Gleichwohl hatte man sich beim BND und bei Teilen der Regierung für später schon ein paar amüsante Legenden um das Antwortschreiben zurecht gestrickt: So pflegte der damalige deutsche UNO-Botschafter Gunter Pleuger zu behaupten, dass das Antwortschreiben natürlich ein eindeutiges NEIN gewesen sei. Dem BND schienen seine Gewissensbisse jedoch nicht los zulassen, und er entschloss sich, an der Wahrheit noch einmal etwas zu drehen: Der damalige BND-Präsident Hanau habe kurz vor dem Antwortschreiben mit Tyler Drumheller, dem damaligen CIA-Operationschef für Europa, in einem Restaurant namens "Sea Catch" zu Mittag gespeist. Dabei habe Hanau seinen Informanten laut Drumheller als Hochstapler bezeichnet. Das sieht der BND heute als Beweis, nach bestem Gewissen gehandelt zu haben. Allerdings sprach Hanau, als er nach Kriegsausbruch vom CIA befragt wurde, nicht mehr von einem Hochstapler. Auch im berüchtigten Antwortschreiben an die US-Amerikaner findet sich darin kein Wort. Kann man somit dem BND doch unterstellen, Gewissensbisse aus politischen und wirtschaftlichen Gründen verschleiert zu haben?

Colin Powell's Hetze am 5. Februar 2003:

Der BND hat sich niemals davon distanziert...

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Am 12. Februar 2003, eine Woche nach Powells dramatischer Rede im UNO-Sicherheitsrat meldeten sich BND-Chef Hanning und sein "Mann vom Fach" Dieter H. noch einmal zu Wort: Diesmal konnte es keinen Zweifel darüber geben, was sich in den Köpfen dieser Männer abgespielt hat: Beide distanzierten sich nicht von Powell und breiteten stattdessen genüsslich "düstere Legenden" über Saddams Biowaffenarsenale aus, die allesamt eine Gemeinsamkeit hatten: Der BND hatte für diese schwerwiegenden Behauptungen in mehr als einem Jahrzehnt nicht auch nur einen einzigen Beweis gefunden. Im Gegenteil: Vier Tage zuvor hatte die UNO-Abrüstungskommission mit Leitung von Hans Blix bei einer Inspektion bereits bewiesen, dass die Behauptungen der Geheimdienste nicht haltbar waren. Aber an diesem Tag war klar, dass die beiden BND-Männer ihre Herzen und ihren Verstand abgeschaltet hatten. Diesmal würden sie über Leichen gehen...

"Meister" der Propaganda:

Wie die USA ein Disaster der Welt als "Erfolg" verkaufen wollten...

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Angetrieben von blindem Hass, der nicht zuletzt von der BND-Hetze verursacht wurde, stürmten die US-Amerikaner wenig später Bagdad. Das Saddam-Regime war bereits nach wenigen Wochen gefallen. Sehr bald gelang es den US-Amerikanern sogar, gewöhnliche Lastwagen als "rollende Biowaffenlabore" zu präsentieren, und viele westliche Regierungen schienen "des Kaisers neue Kleider" zunächst für "bare Münze" zu nehmen. Doch dann passierte es: David Kay, der von den US-Amerikanern als Experte für das Auffinden von Biowaffen eingesetzt wurde, überprüfte die BND-Quelle "Curveball" einmal etwas genauer. Dabei wurden schwere Versäumnisse des BND festgestellt: Dieser hatte sich noch nicht mal die Mühe gemacht, "Curveballs" Lebenslauf zu überprüfen. Der BND hatte ihn außerdem nicht durch einen Auswerter und Beschaffer betreuen lassen wie sonst üblich. Die Absicherung eines Zeugen wurde diesmal völlig außer Acht gelassen. Daher galten wachsweiche Behauptungen als plausibel. Ansonsten hätte der BND nämlich wissen können, dass "Curveball" überall im Irak als Betrüger und Hochstapler bekannt war. Selbst seine Familie widersprach fast all seine Behauptungen. Dabei wird endlich klar, warum er 1998 den Irak wirklich verlassen musste: Nicht etwa, weil er ein "politisch Verfolgter" war, sondern aufgrund eines Haftbefehls wegen eines Betrugs in Millionenhöhe. Viele echte politisch Verfolgte, die den deutschen Behörden ihre Leidensgeschichte anvertraut hatten, befinden sich immer noch im Auffanglager Zindorf. Ist das die für sich beanspruchte Ethik der Asylpolitik in der Bundesrepublik Deutschland?

"Curveball" alias Rafed hingegen hat gut lachen. Er braucht sich noch nicht mal an die Auflagen des BND zu halten: Gelegentlich arbeitet er bei "Burger King" und wird von Irakern als Hochstapler erkannt. Selbst der britische Geheimdienst hatte "Curveball" schon 2001 typische Verhaltensweisen eines Betrügers bescheinigt. Des weiteren bemerkte ein Arzt aus dem US-Verteidigungsministerium, dass er eine massive Alkoholfahne gehabt habe und der zuständige BND-Mitarbeiter gerade zu "blind vor Liebe" zu seinem Informanten gewesen sei... 2004 durfte dann endlich auch das CIA Rafed verhören. Nach nur zwei Tagen wurde das Verhör abgebrochen, weil er schnell als Scharlatan entlarvt war. Das hätte man wohl schon vor Kriegsausbruch wissen können, wenn sich die deutschen Kollegen vom BND nicht für so "wahnsinnig kompetent" gehalten hätten...

Selbst heute noch hält der BND an seinem völlig verzerrten Selbstbild fest: Ein Sprecher hat doch tatsächlich behauptet, der BND hätte nur Informationen, aber keine Einschätzungen weitergegeben. Dann frage ich mich, ob "plausibel" eine Information oder eine Einschätzung ist? Genau, dieser Dienst ist nicht nur unfähig und arrogant, ist er dazu noch verlogen. Ist man einmal nicht auf der krampfhaften Suche nach Kriegsgründen, bespitzelt man dank Otto Schily auch gerne Journalisten... Presseanfragen zum Thema "Curveball" werden hingegen prinzipiell nicht beantwortet. Schließlich könnte ja herauskommen, was hier gelaufen ist. Oder sollte ich sagen, wie die Dinge prinzipiell beim BND laufen?

Der "Deutsche Michel":

Bei den Mitarbeitern des BND immer noch gegenwärtig...

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Rafed, den der BND immer noch schützt, wollte sein Geschichte in einer abgeänderten Variante übrigens noch einmal verkaufen - diesmal an den "Spiegel", der aber "dankend" ablehnte. Dabei musste der Steuerzahler unter Regie des BND bislang eine sechsstellige Summe für Rafed hinlegen. Der BND will noch einmal so viel abzweigen, um ihm und seiner Familie eine neue Identität zu geben. Diese Rechtspraxis ist wohl nur in der Bundesrepublik Deutschland möglich und erklärt wohl, warum man dem "Deutschen Michel" im Ausland eine Schlafmütze verpasst hat. Heute müsste wohl zusätzlich BND auf der Mütze stehen :o)

Saddams Hinrichtung als "Snuffvideo":

Die Sensationsgeilheit der "zivilisierten Welt" kostete drei Kindern das Leben.

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Und Saddam Hussein? Eine Untersuchung hatte endgültig bewiesen, dass er alle Bioerreger bereits 1991 vernichtet hatte... Trotzdem wurde er ein Jahr später in einem weltweit ausgestrahlten "Snuffvideo" gehängt, 100 Jahre nach der letzten öffentlichen Hinrichtung in der so genannten "zivilisierten Welt". Aufgrund der Toleranz der Medien und Behörden gegenüber diesem "Spektakel" strangulierten sich 3 Kinder beim Nachspielen der Szene selbst. Mussten sie sterben, damit wir zeigen konnten, dass Töten falsch ist? [7]

Suche nach Massenvernichtungswaffen "reloaded":

Selbst der "Spiegel" wirkt nicht immer wirklich neutral...

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Ich selbst wollte nach Ausbruch des Irakkriegs wieder ein 11-jähriger Junge sein, den "rollende Biowaffenlabore" wieder an die "99 Luftballons" erinnerten, von denen er einst gesungen hat. Mein Herz fühlte mit den Irakern, deshalb schoss ich auf die US-Amerikaner und auf unsere "doppelgesichtigen" Politiker die schwersten Geschütze, die ich finden konnte. Allerdings waren es nur Worte und viele Iraker hätten sicherlich gerne die Geschütze, die in ihren Häusern einschlugen, gegen meine verbalen Geschütze getauscht... Nach ca. neun Monaten bekam ich einen Anruf, dass der Staatsschutz Interesse an einem "Interview" hätte. Meine Akte war wie bei "Saddams Biowaffenlaboren" schon ziemlich dick, also konnte doch nicht alles Lüge sein... Nun war es amtlich: Ich war eine Gefahr für die Gesellschaft, weil ich mich über jene empört hatte, die wegen "99 Luftballons" Angriffskriege führen oder begünstigen. Nach einem halben Jahr wurde das Verfahren wegen "unzureichendem Tatverdacht" eingestellt. Der Staat führt also dicke Akten wegen "99 Luftballons"... Die besten Karrieremöglichkeiten bei den Geheimdiensten haben laut David Kay "treudoofe JA-Sager" oder laut Hans Blix jene, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. [8] Natürlich können Fehler da passieren, wo es Menschen gibt. Ihr Charakter zeigt sich jedoch darin, wie sie mit ihren Fehlern umgehen, und was sie aus ihnen lernen. Dass CIA und der BND sicherlich nicht viel, denn schon plant man im Iran den nächsten "Supergau": Kriegsverbrechen oder Indizien für Massenvernichtungswaffen werden diesmal nicht benötigt. Stattdessen reichen diesmal bloße Unterstellungen aus, dass manche Politiker und Militärs sogar einen atomaren Erstschlag in Erwägung ziehen. Während das CIA kürzlich bekannt gab, dass der Iran sein Atomwaffenprogramm längst eingestellt hätte, sah der BND keinen Grund zur "Entwarnung". [9] Die Bildzeitung und die Webseite "Hagalil" wissen scheinbar schon etwas mehr: Sie fügen in das Wort "Atomprogramm" manchmal einfach noch "Waffen" ein. Somit hat sich anscheinend auch für "Curveball" schon ein Nachfolger gefunden...

Wenn Journalisten und Politiker heute scheinheilig fragen, wie die Tragödie des größten Geheimdienstdisasters der Geschichte passieren konnte, kann ich nur den Kopf schütteln. Man braucht sich doch nur anzuschauen, wie Kriege auch sonst immer gelaufen sind: Die Regierungen belogen ihr eigenes Volk, das zu unkritisch diesen Behauptungen gegenüber stand. Ob Hitlers Einmarsch in Polen (Sender "Gleiwitz"), der Vietnamkrieg (Zerstörer "Maddox") oder der Golfkrieg von 1991 (Babies in Brutkästen), immer ging eine Lüge voraus, die zu lange geglaubt wurde... Das hat sich bis heute selbst in Demokratien nicht geändert. Deshalb hatte ich die Iraker so leidenschaftlich verteidigt. Ich hatte keine Lust mehr, mich belügen zu lassen....

mittlerweile bin ich von meiner Zeitreise zurückgekehrt, und obwohl ich diesen einen Tag im Bus im Jahre 1983 nie vergessen werde, wurde mir klar, dass ich nie mehr ein 11-jähriger Junge sein kann. Mir wurde aber bewusst, dass ein Bus voller Kinder den Frieden ernster nehmen kann, als Regierungen, bei denen es sehr große Differenzen zwischen Glauben und Wissen, sowie Worten und Taten gibt. Und doch war in der Zeit nach dem Irakkrieg etwas anders wie zuvor: Der Hauptfeind der Regierungen war nun nicht mehr ein Diktator, sondern ihre eigenen Lügen. Plötzlich wurde mehr Menschen denn je bewusst, dass "99 Jahre Krieg" keinen Platz für Sieger lassen...

Herzlichst
Ihr Punisher


Liedertext und Musikvideo

Nena - 99 Luftballons

Quellen

[1] Iraq war source's name revealed (BBC, 02.11.2007)

[2] Artikel bei der FAZ vom 22.02.2008

[3] Faulty Intel Source "Curve Ball" Revealed (englisch)

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Rafid_Ahmed_Alwan

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg

[6] Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21.06.2005 (PDF)

[7] Artikel beim Stern vom 08.01.2007; Artikel beim Spiegel vom 08.01.2007

[8] Interview mit David Kay beim Spiegel vom 20.03.2008

[9] Artikel bei der TAZ vom 04.12.2007

[10] Artikel beim Spiegel vom 22.03.2008, Seite 28

Zusätzliche Infos:

[1] Spiegel TV vom 20.03.2008:

Geschichte des Curveball Spiegel TV vom 31.03.2008


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