eit dem Ende der Sowjetunion und dem Niedergang des Sozialismus wird der Kapitalismus als der Weisheit letzter Schluss gehandelt. Angeblich ist der Kapitalismus selbst in seiner widerwertigsten Ausdehnung, sprich der Weltfinanzkrise, immer noch besser als jedes alternative Wirtschaftssystem. Doch darf der Kapitalismus wirklich das letzte Wort sein? Aus der Sichtweise des Humanismus und der Effizienz sicherlich nicht. Letztendlich geht es beim Kapitalismus nämlich darum, dass Wohlbefinden einer menschlichen Elite auf Kosten anderer Menschen zu sichern, die man als weniger wertvoll erachtet.

Im westlichen Wirtschaftssystem hat man es gelernt, im Überfluss zu leben. Egal, ob im Supermarkt, im dreistöckigen CD-Geschäft oder in der Nobelboutique - die Regale dort sind immer voll. Zudem sind schnelle Autos und Wolkenkratzer in unserem System begehrte Prestigeobjekte.

Zu unserer Schande landet Essen mit nur allergeringsten Mängeln bei uns gleich im Müll, während es Länder auf diesem Planeten gibt, wo eine Familie noch nicht mal weiß, ob sie morgen noch etwas zu essen findet. Besonders schlimm sind hierbei die US-amerikanischen Konsumenten. In den USA gibt es Lebensmittelgeschäfte, die so groß sind wie bei uns ein Wal-Markt, sprich mehrere Fußballfelder groß. Dort gibt es ein überdimensionales Angebot vom Schokoriegel bis zum zum Filetsteak, so dass der Verbraucher meist gar nicht weiß, wo er zugreifen soll bzw. was er stehen lassen soll. Dazu kommt noch alles im Mengenrabatt daher, so dass oftmals zwischen einer Sechser-, Zehner- oder sogar 20er-Packung gewählt werden kann. Das macht manche Lebensmittelketten so beliebt, dass schon mal mehrere Parkplätze oder ein sogar ein Parkhaus angebaut werden müssen.

Man stellt sich nun die Frage, wo diese Mengen an Essen letztendlich landen, da ein Durchschnittsamerikaner mit seinem Tag auch etwas anderes anzufangen weiß als nur zu essen. Die Antwort hierauf geben überfüllte Mülltonnen und eine Müllabfuhr, die in manchen Gemeinden doppelt so oft ihre Runden macht wie früher. Laut einer Studie von Kevin Hall und Carson Chow landen in den USA sage und schreibe 40 Prozent allen Essens im Abfall.

Die Wissenschaftler stellten des Weiteren fest, dass das Gewicht des Durchschnittsamerikaners zwischen 1974 und heute von 71 Kilo auf 80 Kilo angestiegen ist. Daher findet man mittlerweile in US-amerikanischen Kaufhäusern überproportional viele XL- und XXL-Größen und zwar deutlich mehr als in Mitteleuropa.

Darüber hinaus wurde in der Studie errechnet, wie viel Kalorien nötig waren, um diese Zunahme von Körpermasse zu erreichen. Dieser Wert wurde dann von der Kalorienzahl aller Lebensmittel abgezogen, die im gleichen Zeitraum für die US-Konsumenten hergestellt wurden. Dabei ergab sich die beachtliche Zahl von 3750 Kilokalorien (kcal) pro Kopf täglich. Natürlich kann man den Amerikanern keinen Vorwurf dafür machen, dass sie gerne gut (soweit jemand auf Fastfood steht) und viel essen. Problematisch ist aber, dass von der genannten Menge nur 2300 kcal, also 60 %, für den Verzerr bestimmt sind, währen der Rest weggeschmissen wird.

Was den Amerikanern dabei zum Verhängnis wird, ist eine Explosion der Nahrungsmittelproduktion in Verbindung mit einem Überangebot in immer zahlreicheren und größeren Discountermärkten. Dazu werden noch alle Register der Vermarktungskunst gezogen, so dass viele Amerikaner gar nicht in der Lage sind, ihren Hunger bzw. ihren Bedarf dem Überangebot anzupassen. Ironsicherweise könnte man auch sagen, beim Einkaufen sind die Augen oftmals größer wie die Aufnahmefähigkeit des Magens.

Weitere Experten sind nun zu der unglaublichen Erkenntnis gekommen, dass es eine theoretische Möglichkeit gebe, um den weltweiten Hunger zu besiegen. Etwa eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten haben zu wenig zum Essen. Mit dem Essen, was in den USA im Abfall landet, könnte man dafür sorgen, dass diese Menschen nie mehr Hunger leiden müssen.

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hat auch die Umwelt unter diesem "Lebensstil" zu leiden: So ist der Trend zur Megapackung für die Umwelt ganz und gar nicht bekömmlich. Weitere Probleme verursacht die Tierhaltung, vor allem von Kühen, die große Mengen des Treibhausgases Methan verursacht, ebenso wie Lebensmittel, die auf Deponien verderben. Außerdem wird für die Lebensmittelverschwendung in manchen von Trinkwasserknappheit betroffenen Regionen bis zu einem Viertel des gesamten Wassers verbraucht. Auch die Verarbeitung und der Transport der weggeworfenen Lebensmittel fordert sein Tribut: Dabei werden jährlich 300 Millionen Barrel Rohöl verbraucht. Das sind vier Prozent des jährlichen Ölverbrauchs der USA.

Würde man nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen und den Bedarf anpassen, käme das auf jeden Fall der Umwelt und den Rohstoffressourcen zu Gute. Aber wenn man sie schon im Überfluss herstellen muss, warum spendet man dann das, was übrig bleibt, nicht den Armen?

Arme gibt es auch in den USA genug. Sie leben in der Regel nicht weit von prächtigen Skylines in Ghettos oder U-Bahnschächten und müssen für das, was sie in einer Mülltonne finden, manchmal um ihr Leben kämpfen.

Möglicherweise ist die Teilung von Ressourcen und der Welt ein Thema, über das man in einem so "perfekten" System wie dem Kapitalismus einfach nicht gerne spricht...

Herzlichst
Ihr Punisher


Ein satirischer X-Mas Rap über die Armen:

The Treacherous Three - Santa's Rap

Quellen

[1] Artikel bei den Badischen Neuesten Nachrichten, Seite 3 vom 23.12.2009


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