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Film: Der Große Diktator

Orginaltitel: The Great Dictator

Regie: Charles Chaplin

Genre: Komödie/Drama

Land: USA

Jahr: 1940


Inhalt:

in kleiner jüdischer Friseur kämpft im ersten Weltkrieg auf deutscher Seite und rettet dem Piloten Schultz das Leben. Leider wird er dabei so schwer verletzt, dass er sein Gedächtnis verliert und sich erst nach vielen Jahren im Krankenhaus so langsam wieder erholt.

Als er 20 Jahre später in seine Heimat Tomanien zurückkehrt, weiß er zunächst nichts von den drastischen Veränderungen in seiner Heimat: Adenoid Hynkel ist dort ein brutaler Diktator und bereitet hinter dem
Rücken des Herrschers von Bakteria namens Benzino Napoloni einen Angriff auf das Nachbarland Osterlitsch vor. Das von Juden und Andersdenkenden bewohnte Ghetto wird zum regelmäßigen Ziel des Hasses von Hynkel und dem Terror seiner Sturmtruppen. Auch der jüdische Friseur und seine Geliebte Hannah werden von ihnen zunächst schikaniert. Der Kommandeur Schultz erkennt den Friseur jedoch als seinen Lebensretter wieder und sorgt dafür, dass er im Weiteren von Übergriffen verschont bleibt.

Als Hinkel der Etat für seine Rüstung ausgeht, greift er zur List und stellt vorübergehend die Unterdrückung der Juden ein. Damit will er sich vom jüdischen Bankier Epstein einen Kredit erschleichen. Als dieser ihm jedoch die kalte Schulter zeigt, setzt der Diktator die Unterdrückung der Juden fort. Kommandeur Schultz erklärt sich daraufhin solidarisch mit dem Widerstand und wird deshalb von Hinkel in ein Konzentrationslager eingewiesen. Schultz gelingt es jedoch gerade noch rechtzeitig bei seinem Freund im Ghetto unterzutauchen. Der Diktator
geht unterdessen ein Bündnis mit Bakteria und Napoloni ein, das die Machtverhältnisse im Falle der Besetzung Osterlitschs klären soll.

Als die Bewohner des Ghettos ein Attentat auf Hinkel planen, werden diese von der gutmütigen Hannah daran erinnert, dass Freiheit nicht durch Gewalt und Terror erreicht werden kann. Außerdem ist niemand
bereit, sich für den Tod Hinkels als Selbstmordattentäter zu opfern. Schließlich werden Schultz und der Friseur bei einer Razzia entdeckt und ins KZ gebracht. Glücklicherweise gelingt ihnen schnell die Flucht, bei der sie zwei Uniformen mitgehen lassen. Da der jüdische Friseur wie ein Zwilling Hynkels aussieht, kommt es zu
einer Verwechslung: Der echte Hinkel wird bei der Jagd irrtümlich verhaftet und eingesperrt. Daraufhin erhält der Friseur die Chance, an Hinkels Stelle eine im Radio übertragene Rede vor dem Volk des gerade besetzten Osterlitschs zu halten. Der Friseur nutzt diese einmalige Chance und hält vor jubelnden Menschenmassen eine Rede für den Weltfrieden und für mehr Menschlichkeit.

Bewertung:

Nachdem Chaplin sich zunächst viele Jahre der Moderne verweigert hat, wurde "Der große Diktator" sein erster Tonfilm. Er wurde prompt nicht nur der größte Erfolg Chaplins, sondern auch einer der größten Erfolge der Filmgeschichte überhaupt.

Wie schon bei seinen vorangegangenen Filmklassikern zeigte Chaplin auch hier ein ein Maximum an Herz, an visuellem Geschick und Feingefühl für die künstlerische Umsetzung gesellschaftlicher Missstände. Dies war ihm zuvor auch schon bei "Lichter der Großstadt" und "Das Blumenmädchen" gelungen.

Bei "Der Große Diktator" vollbrachte Chaplin etwas, was man bis dahin für unmöglich gehalten hatte: Er schuf eine NS-Satire, die ebenso humorvoll wie melodramatisch ist. Viele Wörter und Namen mit eindeutigem Bezug zur NS-Zeit wurden daher verfremdet, während Ausdrücke wie Jude, Arier, Ghetto und Konzentrationslager beibehalten wurden. Ebenso ist die rassistische NS-Ideologie eindeutig erkennbar. Das Hakenkreuz wiederum ist durch zwei auf den Kopf gestellte Kreuze ersetzt worden. Dies könnte im Englischen sowohl eine Anspielung auf "double-cross" als Synonym für Betrug sein oder auch auf das Symbol des Kukluksklans.

Deutschland wird im Film als "Tomanien" bezeichnet, weshalb aus der Sprache Deutsch "Tomanisch" wird. Chaplin vermischt hier Deutsch und Englisch zu einem unverständlichen Brei, dessen Aussage durch Tonfall, Mimik und Gestik meist trotzdem eindeutig erkennbar bleibt. Gerade hier beweist sich Chaplin als Meister der Kunst, da er Unrecht niemals aggressiv oder platt anspricht, sondern in aller Deutlichkeit durch die Blume weit besser zu vermitteln weiß. Wäre Hitler heutzutage eine unbekannte Spezies, wäre jedem bei Chaplins Bewegungen und Lauten sofort klar, dass es sich hierbei um die Bösartigkeit in Person handeln muss.

Auch Chaplins Begabung, Bildern und Symbole zum Sprechen zu bringen, spricht Bände, als Hynkel zu Wagnermusik selbstverliebt mit der Weltkugel spielt und tanzt. Dabei nahm Chaplin sogar die Rolle eines Propheten ein, der nicht nur Hitlers Größenwahn schon vor dem totalen Kriegsausbruch perfekt veranschaulicht hat, sondern der das Ergebnis des Krieges gleich mitlieferte: Hynkel spielt schließlich solange mit der Kugel bis seine Träume in einer Seifenblase zerplatzen...

Somit war es kein Wunder, dass "Der Große Diktator" für fünf Oscars in den Kategorien "Bester Film", "Bestes Originaldrehbuch" (Chaplin), "Bester Hauptdarsteller" (Chaplin), "Beste Originalmusik" (Meredith Willson) und "Bester Nebendarsteller" (Jack Oakie) nominiert wurde. Erstaunlicherweise ging das Werk dann bei der Preisverleihung trotzdem komplett leer aus, obwohl der Film im Nachhinein oft als einer der hellsten Momente Hollywoods bezeichnet wird. Ich denke, um das zu verstehen, muss man sich sehr genau mit den Hintergründen des Films befassen, die in den 40ern Jahren noch präsent waren.

Fazit:

Chaplins Werk wurde in der innerpolitischen Debatte um den Kriegseintritt der USA heftig kritisiert. Selbst in den Kinos von Chicago traute es sich aufgrund des hohen Anteils Deutschstämmiger anfangs kein Kinobesitzer, den Film zu zeigen. Dabei kann man zu dem Vorwurf der Kriegshetze meines Achtens nur den Kopf schütteln. Heutzutage hingegen wird oftmals der Vorwurf erhoben, Chaplin habe das jüdische Leben in den Konzentrationslagern verharmlosend dargestellt. Verfolgt man den Film aber einmal mit hoher Aufmerksamkeit, wird einem schnell klar, dass auch dieser Vorwurf Kokolores ist.

So zeigt sich Chaplin in seiner Schlussrede als überzeugter Pazifist und weiß auch bei den Deutschen zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Interessant wird es vor allem an einer Stelle, in der von einem Giftgas die Rede ist, mit dem Hynkel angeblich Millionen Menschen umbringen will. Spätestens hier kann von Verharmlosung nicht mehr die Rede sein. Bemerkenswert ist daran aber, dass Chaplins Film zwischen 1939 und 1940 gedreht wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Dritten Reich noch keinen Euthanasieerlass, noch keine Wannenseekonferenz und auch die Vernichtungslager in Polen waren noch nicht errichtet worden. Was hat es also mit dem angesprochenen Giftgas auf sich? "Kurzsichtige" Rechte könnten nun behaupten, Chaplin wusste etwas, was man sich nach dem Krieg über die Deutschen erzählen würde, sprich die "Auschwitzlüge". Bei genauer Betrachtung der Fakten, stellt sich das aber schnell als Mumpitz heraus.

Die verheerenden Auswirkungen von Giftgas waren bereits seit dem Ersten Weltkrieg bekannt. Die Erwägung in einem Spielfilm des Jahres 1940, die Deutschen könnten es auf den Schlachtfeldern erneut einsetzen, ist also nicht so weit her geholt. Im Weiteren gibt es außer ein paar höchst politisch motivierten Revisionisten keine seriösen Wissenschaftler, die den Holocaust in Frage stellen. Leuchter mag bei der politischen Motivation eine Ausnahme darstellen, und er ist auch nicht als Antisemit bekannt. Aber warum sollte man die Worte eines Mannes für authentisch halten, der vorgaukelt, ein Ingenieur zu sein und es als seine Lebensaufgabe sieht, Geräte herzustellen, die andere Menschen umzubringen? Für Gegner der Todesstrafe ist das sicherlich nicht akzeptabel.

Meines Achtens war es vielmehr so, dass Chaplin bereits im Jahre 1940 erkannte, was für ein wahnsinniger Diktator Hitler war. Zu diesem Zeitpunkt war sich die US-Regierung noch nicht sicher, ob sie sich bei einem Krieg zwischen Deutschland und Russland auf die Seite Hitlers oder Stalins stellen sollte. Man wollte das von wirtschaftlichen Interessen abhängig machen, sprich sich zum denkbar günstigsten Zeitpunkt auf die Seite des Stärkeren schlagen. Aus diesem Grund wollte die US-Zensurbehörde den "Großen Diktator" zunächst nicht frei geben. So kam es, dass die USA trotz des Wissens um das Schicksal der Juden lange Zeit nichts unternommen hatten. Auch das Schiff St. Louis wurde 1939 sowohl von der Regierung in Havanna, als auch von der Regierung in Washington abgewiesen. Als Folge davon wurden die meisten der 900 jüdischen Flüchtlinge später von den Nazis ermordet. Selbst Auschwitz wurde nicht von den US-Soldaten befreit, sondern von der Roten Armee. Daher frage ich mich, ob manche US-Amerikaner Chaplin deswegen Kriegshetze vorwarfen, um ihr eigenes moralisches Versagen zu verschleiern?

Doch Chaplin kritisierte nicht nur die Doppelmoral der US-Amerikaner beim Holocaust. In seiner Abschlussrede als Friseur vor dem Volk Osterlitschs hat man das Gefühl, dass hier nicht mehr ein Schauspieler spricht, sondern Chaplin selbst. In der folgenden Rede prangert Chaplin nicht nur den Nationalsozialismus, den Faschismus und Unmenschlichkeiten an, sondern auch den Kapitalismus und den Rassismus in den USA. Meines Achtens geht das vor allem aus den beiden Kreuzen hervor, die in Tomanien statt dem Hakenkreuz gezeigt werden. Neigt man das Symbol des Kukluksklans um 45 Grad und verdoppelt es, hält Chaplin den USA wohl einen Spiegel vor, in dem sie das sehen, was sie teilweise im Zweiten Weltkrieg selbst bekämpft haben...

Für seinen Scharfsinn hätte Chaplin meines Achtens nach dem Kriegsende eine besondere Ehrung verdient. Anders wie Göbbels erniedrigte er nicht andere Nationen und Völker, sondern versuchte den Krieg dadurch zu beenden, dass er den Menschen zeigte, was noch zu retten war. Dabei war es ihm egal, woher diese Menschen kommen und aus welcher Schicht der Gesellschaft sie stammen. Kurz gesagt: Chaplin glaubte nicht daran, dass der Kapitalismus und der amerikanische Militäreismus das letzte Wort haben dürfen. Der geborene Brite war liberal, kritisch und Pazifist. Er selbst sah sich als Weltbürger. Damit machte er sich zum Feind des Staatsapparats, während er in der Bevölkerung sehr beliebt war. Vor allem während der McCarthy-Zeit warf man ihm vor, antiamerikanisch bzw. ein Staatsfeind zu sein. Nach einem Kurzbesuch in England machte man seine Rückkehr in die USA im Jahre 1952 daher für lange Zeit unmöglich. Die US-Regierung führte ihre Ideale somit selbst zum Absurdum, indem sie einen Regisseur politisch verfolgen lies, nur weil er ab und zu seinen Mund aufmachte.

Chaplins Beliebtheit war jedoch ungebrochen , und er entschied sich daraufhin in Europa bzw. in der Schweiz zu leben. Nur ein einziges Mal noch kehrte er 1972 in die USA zurück, um einen Ehrenoscar entgegen zu nehmen. Erst sehr spät fand er die Kraft dazu, den USA zu vergeben, dessen Bevölkerung ihn trotz allem sehr liebte. Daran hat sich bis heute nichts geändert...

Am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1977 hörte ein tapferes Herz auf zu schlagen. Über seine Verfolger von einst verliert man heute kaum noch ein Wort, aber mit dem Film "Der Große Diktator" schuf Chaplin nicht nur ein Bollwerk gegen den Nationalsozialismus, sondern auch ein einzigartiges Portrait seiner eigenen Ideale. Egal, welche Wege Menschen in Zukunft gehen, Charlie Chaplins Botschaft bleibt für immer in unserem Gewissen...

Herzlichst
Ihr Punisher


Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_große_Diktator

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Chaplin

Artikel bei der Jüdischen Zeitung vom 18.12.2009


Filmausschnitte und Schlussrede Chaplins im Film "Der Große Diktator":

Charlie Chaplin "Der Große Diktator" - Schlussrede


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