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ute Nachrichten sind selten, aber manchmal gibt es sie doch: Der unerbittliche Islamkritiker Ralph Giordano befindet sich am Wendepunkt. Im Klartext nimmt er die Muslime gegen den Köln geplanten Anti-Islamisierungskongress am 19. und 20. September nun erstmals in Schutz. [1a] Schaut man sich die Gästeliste dieses Kongresses an, kann das wirklich für Magenverstimmungen sorgen: Neben dem mehrfach vorbestraften Anführer des französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, werden folgende Gestalten auf dieser "Freakshow" zu sehen sein: Der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache, der Chef des Vlaams Belang in Belgien, Filip Dewinter, und Vertreter der italienischen Liga Nord. [2a]

Die geplante Großmoschee in Köln:

Freie Religionsausübung verdient man sich nicht, sondern ist ein Recht.

Moschee.jpg

Giordano musste sich sogar von zweifelhaften "Freunden" wie die rechtsextremen Organisationen "Pro Köln" und "Pro NRW" vereinnahmen lassen. "Pro Köln" hat durch die Unterstützung der Erklärung "Gemeinsam für ein Europa der Vaterländer" vom vergangenen Jahr noch nicht mal Berührungsängste mit der NPD. Der Parteiverein "Pro Köln" hingegen richtet sich gegen die Religionsfreiheit, da er sich als "Anti-Islam-Partei" definiert. [2b] Giordano bewies jedoch Zivilcourage, als er jenen "Nutznießern" den Wind aus ihren Segeln genommen hat. Er gab zu verstehen, dass er sich nicht vor den rechtsextremen Karren Spannen lasse und die Motive eines Holocaustüberlebenden mit denen dieser angebräunten Geschichtsnachhut nicht deckungsgleich sein können. Sein Protest gegen "Symptome des politischen und militanten Islam" habe immer den Grund gehabt, "den demokratischen Verfassungsstaat zu verteidigen". Er werde sich vor "jeden Muslim" stellen, der "von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit" betroffen sei. Zu guter Letzt stellt Giordano fest, dass jene ewig gestrigen Gestalten, die am Kongress teilnehmen werden, nicht eine andere Demokratie wollen, sondern gar keine... [1b]

Soviel zur Theorie. Ohne Giordanos Worte oder seine Person generell in Zweifel ziehen zu wollen, denke ich, dass sich trotzdem einmal ein Blick auf Gioradnos Lebenslauf lohnt. In seinem beispiellosen Einsatz gegen Naziverbrechen und rechtsextreme Umtriebe, hatte er immer harte Worte für jene, die er als die "Übeltäter" definierte. Dabei ist er manchmal vielleicht über das Ziel hinausgeschossen. Daher muss er nun auch Nehmerqualitäten an den Tag legen und einer kritischen, aber fairen Analyse seiner Person standhalten. Vor allem soll die Frage gestellt werden, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass er von den Rechten vereinnahmt wurde. Waren es etwa die Geister, die er selbst gerufen hat?

Angefangen hatte alles mit Giordanos schwerer Jugend. Er wurde in Hamburg-Barmbek geboren und war der Sohn eines Pianisten und einer deutsch-jüdischen Klavierlehrerin. Sein Abitur musste er aufgrund der Nürnberger Gesetze 1940 aufgeben, während er mit seiner Familie zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt war. Giordano wurde drei mal von der Gestapo verhört, misshandelt und eingesperrt. Als seiner Mutter die Deportation drohte, konnten er und seine Familie bis zur Befreiung durch die Briten am 4. Mai 1945 illegal in einem Keller in Hamburg-Alsterdorf überleben.

Nach dem Krieg begann Giordano seine journalistische Tätigkeit bei der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung. Gleichzeitig tauchte allerdings der erste Fleck auf Giordnos Weste auf: Zwischen 1946 und 1957 war er Mitglied der seit 1956 illegalen KPD. Unter seinem Pseudonym Jan Rolfs erschien beim Verlag Neues Leben/DDR im Jahre 1953 ein Westdeutsches Tagebuch, das von Aktionen der KPD in Hamburg berichtete. Außerdem wurde dort unverblümt der Stalinismus verherrlicht. Schließlich zog er 1955 sogar freiwillig in die DDR. Seine Weltsicht änderte sich jedoch, als er nach zwei Jahren enttäuscht nach Hamburg zurückkehrte. Seine persönliche Abrechnung mit dem Stalinismus erfolgte schließlich im Jahre 1961 mit seinem Buch "Die Partei hat immer Recht".

In den Jahren 1961 bis 1988 arbeitete er als Fernsehjournalist für verschiedene Sender (vor allem NDR und WDR) und produzierte über 100 Dokumentationen.

Giordano veröffentlichte außerdem zahlreiche Bücher über den Nationalsozialismus und den Umgang damit im Nachkriegsdeutschland. Aufgrund seiner Polemik und Direktheit zog er sich teilweise damit den Hass bzw. Unmut der Rechten auf sich. Seine Kritik war meiner Meinung nach jedoch nicht selten gerechtfertigt, da man im Nachkriegsdeutschland mit "scheinheiliger Distanz zu Hitler" oftmals blind für die rechten Umtriebe der Gegenwart war.

Im Jahre 1992 schrieb Giordano im Bezug auf die Brandanschläge in Hoyerswerda und Mölln einen umstrittenen Brief an Helmut Kohl, in dem er der Regierung die Bereitschaft zum notwendigen Schutz von Minderheiten absprach. Er machte dabei deutlich, dass er gegen militante Rechtsextreme bis zum "bewaffneten Selbstschutz" gehen würde. Ob er damit lediglich das Recht auf Notwehr gemeint hat, lies er dabei offen...

Im Jahre 2000 veröffentlichte er "Die Tradionslüge", worin er sich mit den undemokratischen Wurzeln der Bundeswehr auseinander gesetzt hat. Auch hier hat er wieder Brillanz darin gezeigt, den Spießern unserer Gesellschaft auf den Zahn zu fühlen.

Ab 2002 trat Giordano jedoch meiner Meinung nach gelegentlich ins Seitenaus, wodurch seine Sympathien auch in der gesellschaftlichen Mitte etwas gelitten haben. Während der Antisemtismusdebatte um Jürgen Möllemann gab er z. B. zu verstehen, dass er erstmals seit der Befreiung vom Nationalsozialismus in Deutschland wieder Angst hätte. [3a] Das ist natürlich sein gutes Recht. Allerdings lehnte er eine Diskussion mit dem Betroffenen darüber ab und ging in einem offenen Brief an Guido Westerwelle stattdessen in übersteigerten Selbstmitleid
auf. [4] Wie konnte er von Flucht reden, nur weil ein Herr Möllemann ein paar Sätze von sich gab, bei denen seine Zunge schneller war als sein Hirn ("Ich würde mich auch wehren...")? In solchen Fällen heißt es bei mir stehen bleiben und den Unsinn widerlegen :o)

Eine sehr skurrile Meinung nahm er außerdem im Jahre 2003 zum Irakkrieg ein, als er der Friedensbewegung "Antiamerikanismus" vorgeworfen hat. [5] Es ist einerseits klar, dass man in Deutschland nach der "Umerziehung" nicht immer Verständnis für die "Sicherheitspolitik" der USA und Israel hat. Hätten die Deutschen damals den Krieg gewonnen, würden sie heute wohl teilweise genauso ihre Sicherheitspolitik durchziehen. Andererseits kann man von diesen "umerzogenen Pazifisten" dann nicht erwarten, dass sie zu jedem Angriffskrieg der USA "Hurra" schreien...

Im Frühjahr 2005 musste Giordano zugeben, Rolf Hochhuth in massiver Weise wegen Äußerungen über David Irving angegriffen zu haben, ohne den vollständigen Text des Interviews aus der "Jungen Freiheit" zu kennen. Er nahm jedoch seine Äußerungen später zurück und bekundete seine Solidarität mit Hochhuth. [6]

Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass Giordano bis November 2007 das "Zentrum gegen Vertreibungen" unterstütze, das sich mit der Aufarbeitung von Vertreibungen im 20. Jahrhundert befasst. [7]

Außerdem wurde Giordano vielfach mit Preisen ausgezeichnet: 1990 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1994 den Siebenpfeiffer-Preis, 1995 den Schubart-Literaturpreis, 2001 den Hermann-Sinsheimer-Preis, 2003 den Leo-Baeck-Preis [8] und 2006 den Rheinischen Literaturpreis Siegburg.

Die peinlichste Berlinerin 2003, Lea Rosh:

Eine Frau mit Drang zur Selbstdarstellung.

Peinlich.jpg

Eine meiner Meinung nach eher fragwürdige Auszeichnung erhielt Gioradno mit dem Preis für Zivilcourage des "Freundeskreises Heinrich Heine" am 28. September 2007. Etwas selbstherrlich verkündete er hierzu, dass niemand diesen Preis mehr verdient hätte wie er. [9] Diesen Preis erhielt er für antiislamische Propaganda, die als Kritik am geplanten Moscheebau in Köln und Kritik an der Leugnung des Völkermordes an den Armeniern getarnt war. Gioardanos Wortlaut unterschied sich dabei kaum von den Tönen rechtsextremer Organisationen, was ihm viel Lob aus diesen Kreisen eingebracht hat. Außerdem erhielt er Lob von Lea Rosh, [10] die in der Öffentlichkeit bevorzugt mit einem frei erfundenen, jüdisch klingenden Vornamen auftritt. Nachdem diese Lächerlichkeit aufgeflogen war, ging sie gerichtlich gegen die Pressefreiheit vor. [11] Damit scheiterte sie jedoch, da wir seit 1949 in einer Demokratie leben. Durch ihren fortwährenden Drang zur Selbstdarstellung wählte sie die Berliner Zeitschrift "Tip" im Jahre 2003 zur peinlichsten Berlinerin :o) [12] Ein weiteres "Highlight" für Gioradno war die Auszeichnung der Webseite "Politically Incorrect", [13] die sich eigentlich nur in ihren Positionen zu den USA und Israel von rechtsextremen Organisationen wie "Pro Köln" unterscheidet. Einige Politiker von Linke bis SPD vermuten hinter dieser Webseite eine Organisation, die es zum Ziel hat, die demokratisch-freiheitliche Grundordnung zu erschüttern. Wir wollen es mal nicht übertreiben, aber Herr Gioradno sollte sich schon mal am Kopf kratzen, wenn diese angeblich pro-jüdische Webseite das Schächten in den gleichen Zusammenhang bringt wie einst der Film "Der ewige Jude". Selbstverständlich auf den Islam gemünzt, aber das schließt ja wohl das jüdische Schächten mit ein. Somit muss ich schon sagen, dass Herr Giordano sich da "tolle neue Freunde" angelacht hat. Wäre das nicht das perfektes Drehbuch für einen zweiten Teil von "Die Geister, die ich rief"? :o)

Eigentlich ist es nicht zum Lachen, denn der Mann der sich einst mit aufopfernden Enthusiasmus gegen die Brandschläge in Hoyerswerda und Mölln zu Wehr gesetzt hatte, stachelt nun selbst zum Unmut gegen die damalige Opfergruppe auf. Plötzlich macht er seine Mitstreiter gegen den Faschismus, sprich Politiker der Grünen, für die gescheiterte Integration und die Bedrohung durch den Terrorismus verantwortlich. Dabei waren es doch eher die Neocons, sprich die Regierung Kohl, die Jahrzehnte lang uneingeschränkte Einwanderung ermöglicht hat, ohne den Zugewanderten Möglichkeiten zur Integration aufzuzeigen. Außerdem spricht Giordano davon, mit reformbereiten, säkularisierten Muslima und Muslime für eine bessere Integration sorgen zu
wollen. [14] Im selben Atemzug will Giordano aber den Koran und den Moscheebau bundesweit verbieten
lassen. [15] Das ist so, wie wenn man ein gemeinsames Projekt mit der CSU planen würde, aber es zur Voraussetzung macht, dass die Bibel verboten wird. Auch die Argumente gegen den Moscheebau leuchten mir nicht ein, denn es gibt wesentlich weniger Moscheen in Deutschland wie Synagogen. Dabei gibt es wesentlich mehr Muslime in Deutschland wie Juden. Dass Gioradno hierfür kein Verständnis zeigt, macht mich fassungslos. Er macht sich bei diesem Thema sogar faschistisches Kauderwelsch zu eigen wie, der Moscheenbau sei eine eine "Kriegserklärung" und eine "Landnahme auf fremden Territorium". [16] Was will er eigentlich mit diesen Äußerungen erreichen? Eine zweite Reichskristallnacht? Es sollte ein gemeinsames Ziel sein, dass mit allen Mitteln zu verhindern...

Rechtsausleger unter sich:

Wer "zündelt", bekommt solche Freunde (Ulfkotte und Beckstein)...

Ausleger.jpg

Der Zeitautor Jörg Lau stellt hierzu völlig zu Recht fest, dass Gioradno gegenüber dem Islam so viel wütende Polemik an den Tag legt, dass es schwer ist seine vielleicht teilweise berechtigte Kritik überhaupt noch zu Kenntnis zu nehmen. Der Bau von Moscheen sei kein "Gnadenrecht" für gelungene Integration, sondern beruhe auf dem Baurecht und der Religionsfreiheit. [17] Die Kooperation mit mit Udo Ulfkottes "Pax Europa" zeigte einmal mehr, dass Gioradno ursprünglich nicht einmal davor zurückschreckte, einen Rechtsausleger zu bedienen, von dem ein Buch ("Der Krieg in unseren Städten") auf dem Index gelandet ist. Lau nennt dies "intellektuellen Selbstmord" und "die unrühmliche Abdankung eines Mannes, der einmal ein Aufklärer war". [18] Ein weiterer Kritiker Giordanos war Eberhard Seidel. Er schrieb in der TAZ:

"Ralph Giordano [...] vertritt heute ein undifferenziertes Freund-Feind-Denken, und seine Auslassungen sind gefährliche Brandreden, die in der Tradition des Anti-Asyl-Diskurses zu Beginn der Neunzigerjahre stehen. Eine wichtige moralische Instanz demontiert sich selbst. Das ist schade."
[19]

Deborah Lipstadt:

Eine weltoffene Frau, die David Irving allein mit Köpfchen widerlegte.

Deborah.jpg

Diesen Meinungen kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Mir fällt außerdem auf, dass viele der Meinungen Giordanos über den Islam für mich weder weltlich klingen, noch an das Judentum erinnern. Obwohl Giordano in so ziemlich jede Kerbe eingeschlagen hat, um Deutschland mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren, ist er in meinen Augen "deutscher" als er zugeben will. Einerseits wird Deutschland seit 1949 oftmals dafür bewundert, in seinem Denken nicht mehr auf Nationalität zu beruhen, sondern auf einer Ethnie. Andererseits tut man sich in Deutschland immer noch etwas schwer damit, dass zu akzeptieren, was "anders" ist. Dies schlägt sich gegenüber den USA deutlich auf die Meinungs -und Religionsfreiheit nieder. Noch nicht mal der Islam mit 1,3 Milliarden Mitgliedern weltweit ist in Deutschland offiziell eine anerkannte Religion. Des Weiteren konfrontiert man sich in den USA wesentlich öfter mit Holocaustleugnern direkt und versucht sie mit Argumenten zu widerlegen, anstatt mit jahrelanger Einzelhaft. Deborah Lipstadt ist hierfür das beste Beispiel. Letztendlich hat sich David Irving dadurch entlarvt, dass er von Frau Lipstadt nicht angezeigt wurde, sondern umgekehrt. Vor Gericht wurde er dann gnadenlos von ihr widerlegt. Daran könnten sich deutsche "Hobbyanzeiger", die gelegentlich auch Berührungspunkte mit Extremisten pflegen, einmal ein Beispiel nehmen. Ein weiteres Problem mit der Toleranz in Deutschland ist die Scientology. Zwar wird sie auch in den USA sehr kritisch gesehen, aber zumindest werden Prominente, die sich dazu bekennen, nicht mit Terroristen gleichgesetzt. Vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte laut Urteil vom 5. April 2007 übrigens auch nicht. [20] Der Verfassungsschutz Baden Württemberg hat eine eigene Interpretation dieses Urteils [21], wofür der Ministerpräsident und "Nazi-Relativierer" (Affaire Filbinger) Günther Öttinger verantwortlich sein dürfte. Als John Travolta in "Wetten Dass" auftreten wollte, fiel Öttinger nichts Besseres dazu ein, als zum Boykott aufzurufen. In Deutschland sehen manche Prominente und Politiker ihre Person und ihre Ansichten eben als absolut an und schrecken zur Verteidigung dieser selbst vor schmutzigen Methoden nicht zurück. Männer in weißen Discoanzügen als Feindbild? Alles klar, Herr Filbinger -äh- Öttinger :o)

Leider konnte sich manch fragwürdigen "deutschen Denkmodellen" selbst Gioradno nicht entziehen. Aber zum Glück scheint er nun zu erkennen, was er mit seiner "Bulldozer-Polemik" angerichtet hat. Es ist sehr erfreulich, dass er klar gemacht hat, er würde sich gegen die Feinde der Demokratie nun auch vor Muslime stellen. Das ist sicher ein guter Anfang und Weg zur Selbsterkenntnis. Allerdings werden den Worten nun auch (weitere) Taten folgen müssen. Reden ist billig. Dass wissen wir nur zu gut von den Feinden der Demokratie, die vorgeben, eine andere Demokratie zu wollen. Giordano hat hierzu völlig richtig festgestellt, sie wollen keine andere Demokratie, sondern gar keine. Daher wird sich Giordano mit seinen Worten und Taten in Zukunft selbst daran messen lassen müssen, ob er wirklich eine andere Integration will oder gar keine...

Der erste und wichtigste Schritt ist getan: Giordano hat erkannt, dass seine angeblichen neuen "Freunde" ihn beim Thema Moscheebau nur ausnutzen und Instrumentalisieren wollen. Freunde... Wer sind eigentlich unsere Freunde? Das ist sicherlich eine Frage, die sich jeder Mensch in seinem Leben schon einmal gestellt hat. Wenn wir uns mit mit dem Thema nicht nur oberflächlich befassen, werden wir feststellen, dass Freundschaft und Liebe sehr geduldige Begriffe sind, die meistens in einem falschen Zusammenhang verwendet werden. Giordanos neue "Freunde" sind da sicherlich kein Einzelfall. Die meisten Menschen kennen jedoch die wahre Bedeutung von Freundschaft und Liebe. Allerdings gehört das meist nicht zu den Dingen, von denen wir in der Zeitung lesen und für die es Orden gibt. Die Gesellschaft befasst sich lieber mit Sensationen, Absurdem und Provokationen. Deshalb hören wir in den Nachrichten fast nur von solchen Dingen. Angenommen in der Zeitung wäre von Anfang an gestanden: "Giordano sagt zu den Muslimen: Ich möchte Euer Freund sein." Wer hätte den Artikel gelesen? Wer hätte Giordano einen Preis verliehen? Er hätte sich mit diesem Bekenntnis sicher erst einmal sehr einsam gefühlt...

Es gibt Dinge im Leben, die sind wichtiger als Ruhm:

Die 76 Jahre alte Freundschaft von Giordano und Massaquoi beweist es...

Freunde.jpg

Doch Giordano hat sich einmal in seinem Leben für jemanden eingesetzt, ohne dass er dafür in den Schlagzeilen war, oder dass er dafür ausgezeichnet wurde. Dabei hat er etwas gefunden, was zu den wertvollsten Dingen in seinem Leben gehört: Die Rede ist von seiner Freundschaft zu dem Halbafrikaner Hans-Jürgen Massaquoi, den er und sein Bruder aus dem Hamburger Swing-Café "König" kannten. [3b] In ihren Kindertagen lernten sie sich bei "Kloppereien" auf der Straße kennen, wo Kinder um ihre Vormachtstellung kämpften. Massaquoi wurde zu diesem Zeitpunkt von Gioradno liebevoll "Micky" genannt und war der einzige Afroamerikaner in einem Stadtteil von 200.000 Weißen. Giordano sah in ihm so etwas wie einen Bruder und schenkte ihm sein vollstes Vertrauen. Als er und seine Familie gegen Ende des Krieges in den Untergrund flohen, nahm er Massaquoi mit in ihr Versteck. Nach dem Krieg entdeckte Gioardano großes schriftstellerisches Talent in Massaquoi und spornte ihn an, es zu
nutzen. [22] Massaquoi wurde schließlich Chefredakteur der größten und etabliertesten afroamerikanischen Zeitschrift "Ebony". [23] Der Höhepunkt ihrer Freundschaft war Massaquois 1999 erschienene Buch "Neger, Neger, Schornsteinfeger!", das 2006 mit Veronica Ferres als Mutter verfilmt wurde. Dort wird ihre Freundschaft näher beschrieben, die nach so vielen Jahren also doch noch auf öffentliches Interesse gestoßen ist. Beide waren sich in ihren Kindertagen nämlich sicher, eines Tages würde man sie und ihren Weg verstehen. Hoffentlich wird sich Giordano auch bei den Muslimen wieder auf seine Wurzeln besinnen. Während eine Schlagzeile mit der Zeit staubig wird und der Glanz von einem Orden schwindet, könnte er dann wieder etwas finden, das für die Ewigkeit ist: Eine wahre Freundschaft, die 1932 begann und den Hass der Nazis besiegt hat...

Herzlichst
Ihr Punisher


Ein Lied zum Thema Freundschaft:

Whodini - Friends

Quellen

[1a] [1b] Artikel bei Yahoo-Nachrichten vom 07.08.2008

[2a] [2b] Artikel bei Welt Online vom 08.08.2008

[3a] [3b] http://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Giordano

[4] Offener Brief von Ralph Giordano an Guido Westerwelle vom 21.05.2002

[5] Bündnis gegen Antisemitismus: Offener Brief an die Friedensbewegung: Wider die politische Naivität, Februar 2003

[6] Artikel bei der Berliner Zeitung vom 26.03.2005

[7] Interview zu Ralph Giordanos Unterstützung des Zentrums gegen Vertreibungen, übernommen aus: Konkret 09/2004

[8] Rede von Ralph Giordano zur Preisverleihung am 17.09.2003 in Berlin

[9] Düsseldorfer Blog am 01.10.2007

[10] Laudatio für Ralph Giordano, Lea Rosh am 28.09.2007

[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Lea_Rosh

[12] Artikel bei der TAZ vom 18.02.2004

[13] Politically Incorrect am 29.09.2007

[14] Artikel beim Kölner Stadt-Anzeiger vom 01.06.2007, Artikel bei Welt Online vom 01.06.2007

[15] Artikel beim Tagesspiegel vom 17.08.2007

[16] Artikel beim Kölner Stadt-Anzeiger vom 04.10.2007

[17] Artikel bei Zeit Online vom 31.05.2007

[18] Artikel bei Zeit Online vom 07.09.2007

[19] Artikel bei der TAZ vom 29.05.2007

[20] European Court Of Human Rights

[21] Bericht beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden Württemberg vom Juni 2007

[22] Fernsehfilm der Woche, 01.10.2006 Ralph Giordano: Erste Begegnung mit Hans-Jürgen Massaquoi, Autorenfreunde

[23] http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Jürgen_Massaquoi




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