eutschland ist das beliebteste Land der Welt - so haben wir es neulich in der Presse gelesen. Wir haben ein starkes Sozialsystem, ein moralisches Gewissen und beteiligen uns an "Friedensmissionen" in der ganzen Welt. Unsere Politiker, allen voran Verteidigungsminister Franz Josef Jung, klopfen sich daher in lautstarker Euphorie auf die eigene Schulter, vor allem für den Afghanistaneinsatz.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung:

Als Poser ein As, nur mit Bürgerrechten und der Verfassung nimmt er es nicht so genau...

Franz.jpg

Dabei ist unser Verteidigungsminister in gewissen Dingen gar nicht mal so weit von den Taliban entfernt: So stellt er einst als Mitglied des hessischen Landtags die Gleichberechtigung von Homosexuellen in Frage. Dort musste er im Jahre 2000 als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten zurücktreten, nachdem bekannt wurde, dass er Ende der 80er Jahre Schwarzgelder als "jüdische Vermächtnisse" getarnt hatte. [1a] Das Bundesverfassungsgericht ist ihm ebenfalls ein Dorn im Auge, weshalb er dem Beschluss zum Luftsicherheitsgesetz vom Februar 2006 [2] den "Krieg" erklärt hat: Sollte ein "11. September" auch in Deutschland stattfinden, würde er den Befehl zum Abschuss der Passagiermaschinen geben. Fragt sich nur, ob er diesen Befehl auch dann geben würde, wenn er selbst zu den Passagieren gehört... Zu guter Letzt setzte Jung beim G8-Gipfel im Jahre 2007 zur Einschüchterung von Demonstranten sieben Tornado-Kampfflugzeuge ein: Zwei genehmigte, von denen eines sich nicht an die vorgeschriebene Flughöhe hielt und fünf weitere, die sich "illegal" im Lauftraum befunden
haben... [1b]

Wer so "lieb" mit seinen Landsleuten umgeht, der kann sie natürlich auch ungeniert in fragwürdige Auslandseinsätze schicken. Für unseren Verteidigungsminister natürlich eine tolle Sache, den Ruhm zu kassieren, während andere den Kopf hinhalten. Ebenso sehen es wohl viele Bundestagsabgeordnete, die zu jedem Auslandseinsatz "Ja und Amen" sagen, während man allen friedlich-denkenden Menschen "Verfassungsfeindlichkeit" vorwirft...

Nun scheint sich die ganze Sache aber als "Boomerang" zu erweisen, da immer mehr deutsche Soldaten, die von Auslandseinsetzen zurückkehren, unter psychischen Problemen leiden. Dieser Sachverhalt wurde z. B. im ARD-Film "Willkommen zu Hause" am 02. Februar 2009 thematisiert. Der Film riss einige Menschen aus ihrem "Schönheitsschlaf", da er die kalten Fakten vorgelegt hat: Viele der traumatisierten Soldaten können sich selbst in ganz normalen Alltagssituationen nicht mehr zurecht finden. Das macht sich z. B. bei der Angst vor Menschenmassen, Angst vor Autos oder beim einfachen Gehen über eine Wiese bemerkbar. All das kann "Flashbacks" an feindliche Soldaten, Sprengfallen oder Mienenfelder hervorrufen. Laut dem Verteidigungsministerium waren in den Jahren 2006 bis 2008 insgesamt 477 Soldaten betroffen, die an einer "posttraumatischen Belastungsstörung" (PTBS) leiden. Dies Zahl verdreifachte sich von 83 im Jahre 2006 auf 245 im vergangenen Jahr. Es gab also einen drastischen Anstieg, der immer mehr außer Kontrolle gerät. Am dramatischsten machte sich die Situation in Afghanistan bemerkbar. Dort stieg die Zahl von 55 im Jahre 2006, auf 130 im Jahre 2007, auf 226 im vergangenen Jahr. Insgesamt errechnete das Ministerium bei einer Gesamtzahl von 477 Fällen bei 62.000 Soldaten in den vergangenen drei Jahren eine Häufigkeit von 0,77 Prozent. Das klingt im ersten Moment nach einem überschaubaren Problem, ist es aber nicht...

Der Sprecher des Bundeswehrverbandes, Wilfried Stolze, geht zusätzlich von einer viel höheren Dunkelziffer aus. Problematisch bei der Erfassung ist, dass viele Soldaten über ihr Leid nicht sprechen, da sie ihre "Männlichkeit" in Frage gestellt sehen. Seriöse israelische Studien können die hohe Dunkelziffer bestätigen: Dort wird bei 60 % aller heimkehrenden Soldaten von psychischen Belastungen ausgegangen, von denen 20 % sogar zur Eskalation führen können. US-amerikanische Studien gehen von 30 % aus.

Die Bundeswehr nimmt sich diesem Thema bis jetzt nur halbherzig an. Zwar gibt es für Soldaten, die von einem Einsatz zurückkommen, ein Nachbereitungsseminar, dort ist die Motivation aber eher bescheiden: 20 Soldaten sitzen an ein oder zwei Tagen in einem Raum und tauschen Erfahrungen und Eindrücke aus. Leider haben aber die wenigsten den Mut dazu. Somit bleiben sich die meisten danach selbst überlassen.

Zwar ist theoretisch ein gutes Netz an Betreuung und professioneller Hilfe vorhanden, aber es wird außer Acht gelassen, dass Traumaopfer, gerade bei der Bundeswehr, eine besonders hohe Hemmschwelle zu überwinden haben. Eine verbindliches, psychologisches Training zur Vorbereitung von Einsetzen gibt es z. B. nicht. Außerdem fehlt es an ausreichend kompetenten Ansprechpartnern innerhalb der Kompanien, die psychologische Auffälligkeiten bei Soldaten erkennen. Leider wird innerhalb der Kompanien immer noch die "Männlichkeitskarte" gespielt, während Vorfälle als "Ausrutscher" heruntergespielt werden.

Die Betroffenen sind somit durch die Folgen oftmals ein Leben lang gezeichnet: Gewaltausbrüche, psychosomatische Erkrankungen und Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Dazu kommen Persönlichkeitsveränderungen, die schleichend beginnen und sich oft erst nach Monaten oder gar Jahre bemerkbar machen.

Der größte Skandal besteht für mich jedoch darin, dass die Bundeswehr mit Soldaten, die durch ihren Einsatz geschädigt sind, um ihren Krankheitsgrad feilscht und bei den Untersuchungen teilweise entwürdigende, wenn nicht gar manipulierte Schauspiele ablaufen. Das selbe gilt für Soldaten, die zwar inzwischen aus der Bundeswehr ausgeschieden sind, aber immer noch an Traumata aus ihrer Wehrzeit leiden.

Wozu die momentanen Zustände im Extremfall führen können, zeigt der erschütternde Fall von Siegfried Zepter (Name geändert). Der frühere Oberstleutnant war in Bosnien eingesetzt und verfiel bei seiner Rückkehr in solch ein Trauma, dass er fast völlig den Halt verloren hätte. Daher hat er sich heute eine Fassadenexistenz aufgebaut mit einer neuen Identität und einem neuen Beruf in einer anderen Stadt. Seine Vergangenheit hat er dabei sozusagen völlig ausgelöscht. Niemand weiß, wer er war, weil er das ständige Nachfragen satt hatte. Es waren Fragen nach seiner Vergangenheit - Erinnerungen, die für ihn heute noch sehr schmerzhaft sind.

Sein Einsatz liegt mittlerweile fast 13 Jahre zurück. Damals hätte er sich nicht träumen lassen, dass er nicht mehr als der selbe Mann zurückkommen würde. "Kriegszitterer" wurde er von da an genannt. Feiner ausgedrückt versteht man darunter Soldaten, die nach ihrer Rückkehr an einem posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) leiden.

Mittlerweile hat sich sein Zustand zumindest so weit gebessert, dass er offen über diese Dinge reden kann. Nach Jahren der Dunkelheit steht er nun wieder einigermaßen im Licht des Lebens. Geld verdienen ist endlich wieder ein Thema und sein Selbstwertgefühl kehrt langsam, aber stetig zurück. Wenn er spricht, zeigt er jedoch immer noch kaum Emotionen. Manche Narben auf seiner Seele sind wohl für die Ewigkeit...

Das Letzte, was Zepter jemals wollte, war, dem Staat zur Last zu liegen. Er gehörte eher zu den Leuten, die fragen, was sie für ihr Land tun können. Daher wollte er zum Bund, um sich seine Ausbildung finanzieren zu lassen. Er studierte Wirtschaftswissenschaft, hatte große Pläne und große Träume. Zunächst bekam er einen einfachen Bürojob in der Logistik, ehe er 1996 nach Bosnien abkommandiert wurde.

Zum Einstieg gab es einen dreieinhalbwöchigen Trainingskurs in Hammelburg. Der war allerdings kaum dazu geeignet, um das Verhalten in einer extremen Belastungssituation zu lernen, der man für Monate 13 Stunden am Tag ausgesetzt ist. Bei einer übung verletzte Zepter sich am Ellenbogen und sollte sich gleich danach in Deckung werfen, während seine Kameraden mit scharfer Munition feuerten. Doch die Verletzung machte ihn so sehr zu schaffen, dass er hinterher am ganzen Körper zitterte. Ein letztes Omen, dass Zepter jedoch nicht zu deuten wusste...

Dann kam der Einsatz in Bosnien, der seiner Meinung nach nur stattgefunden hatte, damit die Deutschen in der Nato mitreden konnten. Außerdem sei dort vor allem von den Franzosen schon damals eine Nato-Intervention im Kosovo vorbereitet worden. Zepters Auftrag bestand darin zu prüfen, ob deutsche und französische Tanksysteme kompatibel waren. Dabei geriet sein Auto in eine serbische Stellung, die gleich darauf ihre Schusswaffen entsicherten. Zepters einzige Erinnerung an den Vorfall ist, dass er unter Todesangst kurz davor war, Amok zu laufen. Allerdings wollte er Soldat sein und kein Killer. Später hat er erfahren, dass sein Fahrer die Sperre glücklicherweise durchbrechen konnte.

Doch sein Glück war nur von kurzer Dauer, denn nun war das Zittern wieder da und wurde immer schlimmer. Daher hätte er bei Dienstbesprechungen am liebsten die Flucht ergriffen. Als er von seinen Vorgesetzten seiner Ansicht nach fahrlässig losgeschickt wurde, verweigerte er jeden weiteren Einsatz. Was für andere nur eine Farce war, hatte Zepter bis dahin geglaubt: Dass bei der Bundeswehr keiner, der Hilfe braucht, zurückbleibt. Doch als er sie beim Wort nehmen wollte, stieß sein Chef nichts weiter als Drohungen aus. Für seine Sicherheit könne angeblich nicht mehr gesorgt werden. Immerhin wurde ihm ein Kuraufenthalt zugebilligt, doch gleich darauf sollte er wieder nach Bosnien. Die Situation eskalierte und führte eines Tages zu seinem völligen Zusammenbruch.

Hinterher konnte er nur noch sporadisch arbeiten, da er von seiner Krankheit immer weiter gezeichnet wurde. Verschiedene Ãrzte bescheinigten ihm schließlich eine chronische PTBS, die vermutlich deshalb chronisch wurde, weil sie zu spät behandelt wurde. Das Trauma wurde außerdem mit Hirnstrommessungen bestätigt. Daher erfolgte Ende 1998 die Frühpensionierung, zunächst ausdrücklich wegen Wehrdienstbeschädigung durch PTBS.

Daraufhin lebte Zepter mit seiner Frau für achteinhalb Jahre auf einem Campingplatz. Die Natur begünstigte seinen Zustand, gleichzeitig isolierte er sich aber von allen sozialen Kontakten. Sehr zum Ärger seiner Frau, die sich scheiden ließ und ihn außerdem finanziell ausbluten lassen wollte. Wie alleine man in der Not sein kann, machte ihn außerdem sein Bruder klar, der ihn prompt entmündigen lassen wollte. Die Bundeswehreinsätze hatten Zepter zwar Selbstwertgefühl gekostet, aber ein Feigling, das war er nicht. Daher begann er dann wieder zu kämpfen, als seine Existenz kurz vor dem Abgrund stand. Weder seine Ex-Frau, noch sein so genannter Bruder konnten seinen Stolz brechen. Leider gab es da noch die Bundeswehr, die plötzlich sein Trauma nicht mehr anerkennen wollte. Um das Geld ging es angeblich gar nicht, aber man wollte angeblich keine Präzedenzfälle schaffen. Natürlich, jeder darf sich mit 18 Jahren beim Bund tot schießen lassen wie "Figuren auf einem Schachbrett". Aber sobald man diese Herrschaften daran erinnert, wer für sie seinen Kopf hingehalten hat, wird man fallen gelassen wie eine "heiße Kartoffel"...

Doch Zepter ließ sich das nicht gefallen und zog vor das Sozialgericht in Dortmund. In der ersten Distanz ging es dort auch noch mit rechten Dingen zu, weshalb das Gutachten der Bundeswehrverwaltung zurückgewiesen wurde. Das Urteil stellte eindeutig fest, dass die PTBS durch Wehrdienstbeschädigung erfolgte. Was für eine Chance: Man hätte hier einen Präzedenzfall für alle betroffenen Soldaten schaffen können, dass ihnen nach all der Zeit doch noch Gerechtigkeit widerfährt. Doch in der zweiten Instanz schreckte die Bundeswehrverwaltung anscheinend weder vor Manipulation ärztlicher Gutachten, noch vor persönlicher Erniedrigung zurück. Unter Protest des behandelten Arztes wurde der Kläger schlichtweg als "Simulant" bezeichnet. Ob das Sozialgericht aus Dummheit, Bösartigkeit oder einem heimlichen Deal der Bundeswehrverwaltung folgte, kann wohl heute nicht mehr festgestellt werden. Die Begründung des Urteils ist jedenfalls sehr abenteuerlich: Weil es Soldaten gab, die in Bosnien nicht traumatisiert wurden, müsse der Kläger eine angeborene Macke haben. Was ein Richter haben muss, der solche Urteile fällt, verkneife ich mir an dieser Stelle...

Zepter stand nun mit dem Rücken zur Wand, aber er wollte seinen einsamen Kampf doch noch gewinnen.
Somit erreichte er irgendwann einen Bewusstseinszustand, in dem den er sich selbst zu helfen wusste. Daher nahm an einer Spezialtherapie teil, die bei Vietnamveteranen erprobt worden war. Ebenso hatte er mehrere lange Aufenthalte in einer ganzheitlich behandelnden Klinik in Kassel. Schließlich hatte er sogar die Kraft, in einer anderen Stadt, ein neues Leben zu beginnen. Sein Zustand hat sich jetzt so weit gebessert, dass er endlich auch etwas für andere tun kann. So nahm er all seinen Mut zusammen und erzählt heute seine Geschichte. Jungen Soldaten sollen dadurch die Gefahren von Auslandseinsätzen bewusst werden. Keinem von ihnen soll das passieren, was ihm passiert ist...

Von Verantwortung will man bei der Bundeswehr immer noch nichts wissen. Dabei wäre das dringend nötig, damit sie endlich ihrem Selbstbild gerecht wird. Doch das hier ist nicht "Top Gun", sondern die Realität. Dort ist Zepter für die Bundeswehr 1996 in Bosnien gestorben. Doch Zepter ist quicklebendig und versucht heute mit aller Kraft das Richtige zu tun. Er hat sein Land geliebt - abgöttisch! Als er 1996 in Bosnien auf die serbische Stellung zugefahren ist, war er bereit für sein Land zu sterben. In meinen Augen war er ein guter Soldat, ein besserer als Franz Josef Jung. Im Gegensatz zu unserem Verteidigungsminister kann er einen Auslandseinsatz vorweisen. Ob er dabei wirklich die Sicherheit seines Landes verteidigt hat, kann dahin gestellt bleiben. Aber selbst sein Leben zu riskieren, ist eben etwas anderes, als es ständig nur von anderen zu erwarten. Daher kehrt Zepter nach Bosnien zurück - jede Nacht, während Jung sich auf eine fette Pension freuen darf. Herr Jung, Sie haben die Gleichberechtigung von Minderheiten in Frage gestellt und die Grundrechte unserer Verfassung angegriffen. Waren Sie überhaupt jemals Soldat?

Der afghanische Staatspräsident
Hamid Karzai und George Bush:

Plötzlich fordert Karzai Respekt für die Opfer, die
auf die Kappe seines "Freundes" gehen...

Hami.jpg

Mit einem Blick auf die dramatische Lage von PTBS-Fällen in Afghanistan stellt sich sogar die Frage, ob unsere Soldaten für selbstherrliche Zwecke unserer Politiker regelrecht verheizt werden. Bisher kamen dort 28 Bundeswehrsoldaten ums Leben, während 1000 Koalitionssoldaten insgesamt starben. [3] Außerdem ist die Zahl der zivilen Opfer sehr hoch: Laut der ARD-Tagesschau sollen in Afghanistan bis Ende Juli 2008 bereits 2500 Menschen ums Leben gekommen sein, davon 1000 Zivilisten. Als Quellen wurden einhundert afghanische und internationale Hilfsorganisationen des Dachverbandes ACBAR angegeben. [4] Daher scheint die von Jonathan Steele im "The Guardian" genannte Gesamtzahl von 20.000 bis 49.600 Menschen, welche seit Beginn der Invasion starben, durchaus realistisch. [5] Im Februar 2009 forderte der afghanische Staatspräsident Hamid Karzai mehr Rücksicht von der NATO auf die Zivilbevölkerung in seinem Land und bestätigte die hohe Zahl an zivilen Opfern. Dadurch würde die afghanische Regierung an Unterstützung bei den Bürgern verlieren, obwohl viele Afghanen engagiert am Kampf gegen den Terrorismus teilnehmen. Dafür könnten sie aber auch erwarten, respektiert zu werden. [6]

CNN-Chef Walter Isaacson:

Sein "Nicht-Propagandasender" erinnert manchmal
mächtig an den ehemaligen Berliner Sportpalast...

Walter.jpg

Der Fernsehsender CNN kommt dem allerdings nicht nach und verbietet grundsätzlich jede objektive Berichterstattung über die zivilen Opfer in Afghanistan. "Ich möchte sicherstellten, dass wir nicht als Propaganda-Plattform benutzt werden", stellte der CNN-Chef Walter Isaacson klar. [7] Leider erinnert die pro-amerikanische Berichterstattung des Senders aber nicht selten an den ehemaligen Berliner Sportpalast...

Seit Beginn der Invasion sind auch zahlreiche Kriegsverbrechen der USA bekannt geworden, wie z. B. der Luftangriff auf das Dorf Asisabad vom 22. August 2008, bei dem 33 Zivilisten starben. [8] Von offizieller Seite in Afghanistan gibt es sogar Vermutungen, dass deutsche Soldaten sich an der Vorbereitung von Kriegsverbrechen beteiligt haben.

Wenn unsere Politiker mit diesen Problemen konfrontiert werden, sprechen sie von Wiederaufbau, demokratische Stabilisierung und der Möglichkeit für Frauen, eine Schule zu besuchen. Das erste Opfer jeden Krieges ist jedoch die Wahrheit, und die ist das Letzte, von dem die meisten unserer Bundestagsabgeordneten etwas wissen wollen. 450 Millionen Euro kostet dem deutschen Steuerzahler der Afghanistaneinsatz jährlich. Davon werden nur 80 Millionen Euro für den Wiederaufbau verwendet, von denen drei Viertel in die Ausbildung von Polizeikräften fließen. Somit bleibt gerade mal ein Viertel für die herkömmliche Entwicklungshilfe übrig. [9]

Die jüngste Abgeordnete des afghanischen
Parlaments Malalai Dschoja:

Wieviel Wahrheit vertragen die Bundestagsabgeordneten?



Malalai Dschoja, mit 28 die jüngste Abgeordnete des afghanischen Parlaments, weiß den Westen ebenfalls von seiner Wolke zu holen: Sie spricht offen davon, dass sich im afghanischen Parlament Warlords und Drogenschmuggler befinden, die von den USA unterstützt werden und von Human Rights Watch als Kriegsverbrecher eingestuft werden. Als Folge davon hat sie bisher vier Morddrohungen erhalten. [10a] Sie erzählt ihre Geschichte in dem Dokumentarfilm "Enemies of Happiness", der mehrfach mit Preisen auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet wurde. [11] Das und ihr soziales Arrangement machen sie für mich besonders glaubwürdig. Bereits mit 19 hatte sie Kurse in Lesen und Schreiben für Frauen gegeben. Auch die Gründung eines Waisenhauses und eines Krankenhauses gehört zu ihren Lebensleistungen. Als sie allerdings von einer kurzen Vortragsreise durch die USA nach Kabul zurückgekehrte, organisierten die Warlords und Drogenbarone eine Treibjagd gegen sie. Die "Marionettenregierung" des afghanischen Parlaments schloss sie daraufhin am 21. Mai 2007 für drei Jahre aus dem Parlament aus. [10b] Außerdem wurde ein Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet, was zur Folge hatte, dass ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt wurde. So darf sie z. B. Afghanistan nicht mehr verlassen. [12] Erstaunlicherweise war es ausgerechnet Renate Künast von den Grünen und Mitglied der Humanistischen Union, die diese aufrechte Frau in die Nähe einer "Hochstaplerin" gerückt
hat. [13] Die vier Mordversuche waren für Malalai Dschoja aber sehr real, ebenso die Kriegsverbrechen der parlamentarischen Warlords für die afghanische Bevölkerung. Es stellt sich daher die Frage, ob Renate Künast überhaupt noch irgendeine demokratische Legitimation hat. Anscheinend gibt es Mitglieder im Bundestag, die zumindest teilweise die "Marionetten" antidemokratischer Strömungen sind...

Denken diese auch an die Verlierer bei dieser Sache? Was nützt unseren Soldaten ein "feuchter Händedruck", wenn sie durch PTBS nie mehr herzhaft lachen können? Gewiss, unser Verteidigungsminister hat ein Denkmal für die gefallenen Soldaten vorgeschlagen. Was nützt das aber den traumatisierten Soldaten, die im Stich gelassen werden? Sind uns die eigenen Soldaten etwa tot lieber als lebendig?

Wie viele Bundestagsabgeordnete haben sich jemals gefragt, was jemanden Schulen nützen, wenn er keine Beine mehr hat, um sie zu besuchen? Was nützen freie Wahlen, wenn jemand keine Hände mehr hat, um seine Kreuze zu machen? Was wird wiederaufgebaut, wenn jemand bei einem Luftangriff gerade seinen Mann, seine Ehefrau, seine Kinder, seine Eltern, seine Freunde oder seine ganze Familie verloren hat?

Warum bauen wir dann nicht auch Denkmäler für alle getöteten afghanischen Zivilis2ten? Können sich die Bundestagsabgeordneten vorstellen, wie Afghanistan dann aussehen würde?

Deutschland ist das beliebteste Land der Welt - so haben wir es in der Presse gelesen. Warum müssen für unsere "Beliebtheit" aber so viele Menschen leiden oder sterben, von denen wir niemals etwas lesen?

Herzlichst
Ihr Punisher


Ein Lied über die Sinnlosigkeit und Verlogenheit von Kriegen:

Udo Lindenberg - Wozu sind Kriege da?

Quellen

[1a] [1b] http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Josef_Jung

[2] Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Februar 2006 (Az. 1 BvR 357/05)

[3] http://icasualties.org/oef/

[4] ARD: 2500 Tote durch Anschläge und Luftangriffe in Afghanistan

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001

[6] Artikel bei Zeit Online vom 08.02.2009

[7] Artikel von Patrick Martin vom 06.11.2001

[8] Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 09.10.2008

[9] Friedensforschung an der Uni Kassel am 16.08.2007

[10a] [10b] http://de.wikipedia.org/wiki/Malalai_Joya

[11] "Enemies of happiness" auf "The Internet Movie Database" (IMDb)

[12] Defense Committee for Malalai Joya, 22.05.2007

[13] Artikel beim Spiegel vom 12.10.2007

[14] Artikel beim Stern vom 03.02.2009

[15] Artikel bei der TAZ vom 04.02.2009


Zusätzliche Infos:

[1] Rede von von Malalai Dschojas an der Universität Los Angeles, 10.04.2007, auf ZNet

[2] Video von Malalai Dschojas Rede vor der Loya Jirga am 17.12.2003:

The brave and historical speech of Malalai Joya in the LJ


Please download Java(tm)

Valid XHTML 1.1

Valid CSS!



Besucher seit dem 21.02.2009