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The Silvio Berlusconi Theme



enn man heutzutage von Größenwahn spricht, fallen einem im ersten Moment selbsternannte Galionsfiguren wie Daniel Köbelböck, Dieter Bohlen oder Günther Öttinger ("Jeder muss Englisch können.") ein. Bei diesen dreien können die Italiener jedoch nur abwinken, denn Silvio Berlusconi ist der wahre Meister des Entertainment. Würde Silvio mit Julius Cäsar und Jesus Christus auf einer Bühne stehen, könnte es passieren, dass ein Außerirdischer einen Italiener fragt, wer denn das auf der Bühne sei. Der Italiener könnte dann antworten: "Einer ist der heilige Silvio, die anderen beiden kenn ich nicht." :o)

Der Mann, der sich sein Studium einst als Nachtclubsänger auf Mittelmeerkreuzfahrten finanziert hat, und dessen Karriere als Staubsaugerverkäufer begann, hält heute Unterhaltung, Politik, Sport und Fernsehen fest in seiner Hand. Silvios Geheimrezept ist dabei denkbar einfach: Man nehme Geld und rühre den Teig damit an, mische die Medien dazu, entwickle Personenkult und persönliche Macht, und schon ist eine nationalistische Pasta mit Sauce angerührt, die bei Demokratie verliebten anhaltende Übelkeit verursacht.

Silvio versteht sein Imperium als eine Art Kulturrevolution, da er die Methoden eines Unternehmers in die Politik gebracht hat. Statt Inhalte oder ein Programm verfügt er über eine Propagandamaschine aus Fernsehsendern, Tageszeitungen, Versicherungen und Finanzdienstleistern. Folglich hat er neben inhaltslosen Phrasen eine Rhetorik auf Lager, die Gegner nicht nur erschaudern lässt, sondern ihn auch zu einem der größten Clowns der Weltgeschichte gemacht hat. Sollte er also eines Tages als Politiker und Unternehmer scheitern, dann kann er immer noch zum Zirkus gehen :o) Oder als was würden Sie das bezeichnen, was Silvio in der Regel vom Stapel lässt?

"Die Justiz ist ein Krebsgeschwür des Rechtsstaates, das wir ausrotten müssen."
(4. Oktober 2002)

"Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat."
(2003, auf seine rechtliche Behandlung in Strafprozessen wegen Korruptionsvorwürfen)

"Herr Schulz, ich weiss, dass in Italien ein Produzent einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen."
(2. Juli 2003)

"Um diese Arbeit auszuüben muss man geistig gestört sein, muss man an psychischen Störungen leiden. Wenn sie jene Arbeit ausüben, dann weil sie sich antropologisch vom Rest des Menschengeschlechts unterscheiden."
(über den Beruf des Staatsanwaltes, La Repubblica, 5. September 2003)

"Mussolini hat nie jemanden getötet, er schickte Oppositionelle in Urlaub in die Verbannung."
(La voce di Rimini, 11. September 2003)

"Ich möchte hier noch einmal an die kommunistischen Attacken auf die Zwillingstürme erinnern..."
(21. Mai 2004)

"Die Linken waren immer auf der falschen Seite. Sie waren gegen Hitler, aber nicht gegen Stalin."
(La Repubblica, 3. Februar 2005)

"Einer wie ich, der 20 000 Milliarden auf dem Konto hat, muss sich mit Leuten wie euch herumschlagen! Ich werde euch Postkarten von den Bahamas schicken."
(17. Juli 2005)

"Der Heilige Silvio von Arcore hat das Wunder gewirkt."
(La Repubblica, 1. September 2005, nachdem er eine Einigung mit dem Koalitionaspartner Lega Nord gefunden hatte)

"Nur Napoleon hat mehr erreicht als ich."
(11. Februar 2006)

"Ich bin der Jesus Christus der Politik."
(13. Februar 2006)

"In China unter Mao haben die Kommunisten die Kinder nicht gegessen, sondern gekocht, um sie als Dünger zu verwenden."
- die folgende Welle der Empörung kommentierte Berlusconi mit "Leider gibt es einen generellen Mangel an Humor." (Kurier, 7. April 2006)

"Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende."
(8. April 2009, nach einem Erdbeben mit rund 300 Toten in der Region Abruzzen)

"Die Kandidaten meiner Partei sind kultivierte und kompetente Personen. Sie sind keine schlechtgekleideten und übelriechenden Menschen wie die Vertreter anderer Parteien, die im Parlament sitzen."
(Corriere della Sera, 29. April 2009)

"Ich bin die am meisten von der Justiz verfolgte Person aller Zeiten und in der ganzen Welt." (Oktober 2009, nach Aufhebung des für ihn geschaffenen Immunitätsgesetzes durch den italienischen Verfassungsgerichtshof)

Weiße Kopftücher und ein Jesuskomplex:

Erkennt man so die Mitglieder von Organisationen wie der P2 und der al-Qaida? :o)

Berluverband.jpg Osama.jpg

Da bleibt doch wirklich kein Auge trocken oder? :o) Silvio gibt sich übrigens gerne antikommunisitisch und Islamophop. Zwar ist er für einen EU-Beitritt der Türkei (wohl aus wirtschaftlichen Gründen), doch weiss er zu berichten, dass sich der Islam kulturell und moralisch 1400 Jahre im Rückstand befinden würde. Dabei ist Silvio in manchen Dingen gar nicht mal so weit vom funtamentalisitschen Islam entfernt: So hat Italien es ihm zu verdanken, dass seine Pressefreiheit durch die amerikanischen Organisation Freedom House von "Free" auf "Partly Free" zurückgestuft wurde. Außerdem griff Silvio im Jahre 2002 nach der Kritik eines Komikers und zweier angesehen Journalisten in RAI-Sendungen zu äußerst drastischen Maßnahmen: So arbeitete nach dem Dezember 2002 keiner der drei mehr für die RAI. Enzo Biagi und Daniele Luttazzi erhielten keine neuen Verträge mehr, während Michele Santoro nach einigen Jahren Zwangspause seine Wiedereinstellung gerichtlich erstreiten musste. Doch Silvios größte Gemeinsamkeit mit dem isalmischen Funtamentalismus geht auf einen Vorfall aus dem Jahre 1978 zurück: Zu diesem Zeitpunkt trat er in die Propaganda Due (P2) ein, ursprünglich eine Freimaurerloge, die in den 1970er Jahren zur Tarnung einer kriminellen politischen Verschwörung missbraucht wurde. Silvio ein Patriot? Ich würde mal eher sagen, die al-Quaida lässt grüßen :o)

Viele Menschen fragen sich, wie Silvio bereits als junger Immobilienhengst über Geld wie Heu verfügen konnte. Wenn wundert es da, dass er vor Gericht von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machte? An anderer Stelle verwies er auf seine vorübergehende "Tätigkeit" als Sohn, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist. Sein Vater Luigi Berlusconi war nämlich bei der Mailänder Bank Banca Rasini angestellt, die später von Michele Sindona und anderen Pentiti (geständigen Mafiosi) beschuldigt wurde, Mafia-Geld gewaschen zu haben. Die Vorwürfe konnten bis heute nicht bestätigt werden. Allerdings ist das wohl nur dem Schweizer Bankgeheimnis und dem Tod des Kronzeugen Michele Sindona im Hochsicherheitsgefängnis von Voghera zu verdanken. Dieser wurde mit Zyanid in einer Tasse Kaffee im März 1986 vergiftet.

Ein reuiger Mafioso ("Pentito" = Kronzeuge), Gaspare Spatuzza, beschuldigte Silvio vor Gericht, als Vertreter seiner damaligen Partei Forza Italia mit der sizilianischen Mafia Anfang der 90er Jahre einen Deal gemacht zu haben. Dabei war eine Mordanschlags-Serie zur Destabilisierung des alten Systems für Silvio zwar ein Argument, aber kein Hindernis. Im Gegenzug versprach ihm die Mafia beim Aufbau seines Wirtschafts-Imperiums unter die Arme zu greifen. Berlusconi bestreitet diese Vorwürfe, obwohl es eine archivierte Untersuchung gegen ihn gab, dass er zwischen 1992 und 1994 mehrere Attentate in Auftrag gegeben habe. Als Quellen dienten dabei mehrere Aussagen von festgenommenen oder übergelaufenen Mafiosi. Der Verdacht konnte bis heute nicht entkräftet werden.

Betrug, Bestechung, Erpressung, Korruption und Kumpanei mit der Mafia - all das hat den den Aufstieg von Silvio in Italien bis heute nicht bremsen können. Im Gegenteil! Es scheint fast so, als lieben die Italiener
einen Mann, der auf "dicke Hose" macht, mehr als ihr eigenes System. Beim Kampf der "Gladiatoren" Entertainment vs. Demokratie hat Italien sich letztendlich selbst aufgegeben. Selbst die Staatsanwälte, die Silvio anklagen wollen, wirken teilweise wie Tiger ohne Zähne. Zwar soll Silvio laut den prominenten Journalisten Enzo Biagi und Indro Montanelli gesagt haben: "Wenn ich nicht in die Politik gehe, bringen sie mich ins Gefängnis und treiben mich in den Bankrott." Aber letztendlich hat er für seine Ankläger nicht mehr als ein müdes Lächeln und flappsige Sprüche übrig.

Während Silvio sich sagt, kleckern und nicht kotzen, sind die Italiener einschließlich der Opposition an seinem Aufstieg und an seinem Machthunger letztendlich selbst Schuld. So waren z. B. Anfang der 80er Jahre die landesweiten Übertragungen von Silvios privatem Fernsehsender Canale 5 nach damaliger Rechtslage eindeutig verboten. Zwar wurden die Sendestationen 1984 beschlagnahmt, aber nach nur vier Tagen ohne nähere Begründung durch eine Dekret der Regierung Craxi für den Sendebetrieb wieder zugelassen. Der Grund war ein offenes Geheimnis: Craxi war nicht nur ein enger Freund Silvios, sondern auch sein Trauzeuge bei dessen zweiter Hochzeit und der Taufpate von Barbara Berlusconi... Erst 1990 erhielt Silvio durch die legge Mammì die offizielle Lizenz für sein Medienimperium. 1994 stellte der Verfassungsgerichtshof fest, dass die legge Mammì keine ausreichenden Beschränkungen zur Ausweitung ihrer Medienmacht festgelegt hat. Erneut ohne weitere Folgen für Silvio...

Genau genommen hätte Silvio laut dem Gesetz 361 aus dem Jahre 1957 gar nicht als Politiker antreten dürfen. Dieses Gesetz besagt nämlich, dass Personen, die vom Staat TV-Übertragungsrechte in bedeutendem finanziellen Umfang erhalten haben, unwählbar sind. Dennoch verzichtete die Opposition nach ihrer Machtergreifung auf einen Rekurs, was sich nach Silvios Wiederwahl als fataler Fehler herausstellten sollte...

Ihren absoluten Tiefpunkt erreichte die italienische Justiz, als sie bei der Richterbestechung im Fall Lodo Mondadori den Fall ohne nähere Begründung als „einfache Korruption“ und nicht als „Korruption in Gerichtsverfahren“ einstufte. Durch diesen Umstand galt die Tat als verjährt, während Silvios Größenwahn widerstandslos blühend und gedeihen konnte...

Neulich in der Pizzeria entdeckt - Pizza Mafia!

Der Mehrheit der Italiener scheint sie wirklich gut zu schmecken :o)

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Eine ausgehöhlte Justiz, ein Volk, das Gesetzesverstöße einfach nur so hinnimmt und die fehlende wechselseitige Kontrolle des demokratischen Systems - Silvio hat Italien in eine Pizzeria verwandelt, in der Glamour und Showgirls das sagen haben. Den Italienern scheint "Pizza Mafia" geradezu vorzüglich zu schmecken. Somit ist es kein Wunder, dass Silvio plötzlich glaubt, der Jesus Christus der Politik zu sein, der über Wasser gehen kann :o)

Manchmal glaubt Silvio auch, er sei Supermann und somit gegen alles und jeden immun. Doch zumindest da haben ihm die Italiener in letzter Zeit einen Strich durch die Rechnung gemacht: So erklärte der italienische Verfassungsgerichtshof das für Silvio entworfene Immunitätsgesetz im Oktober 2009 zum zweiten Mal für verfassungswidrig, da das Gesetz den Gleichheitsgrundsatz verletze. Dadurch ist es möglich, einige aufgrund des Sondergesetzes eingestellte Strafverfahren gegen Silvio wieder in Angriff zu nehmen.

Zu guter Letzt wurde Silvio am 13. Dezember 2009 während einer Wahlveranstaltung in Mailand von einem angeblich geistig verwirrten Mann attackiert und mit einer Statue schwer im Gesicht verletzt. Nach nur vier Tagen im Krankenhaus konnte Silvio zum Glück schon wieder hämisch grinsen, so wie man es von ihm gewohnt ist. Natürlich lehnen wir Gewalt gegen Politiker prinzipiell ab und bezeichnen auch diesen Anschlag als äußerst feige. Dennoch würden wir Silvio gerne fragen, was denn nun aus seiner Immunität geworden ist, die er doch als Supermann uneingeschränkt besitzen müsste. Ausnahmen gibt es laut DC Comics lediglich bei rotem Sonnenlicht und Kryponit. Da wird doch nicht der italienische Eiersalat daran Schuld sein, denn Silvio am Tag zuvor gegessen hat? :o)

Apropos Eiersalat... Silvios Verhältnis zu Frauen ist wohl ein Thema für sich: Im Mai 2009 erklärte die 40jährige Patrizia d'Addario aus Bari, sie sei von einem Unternehmer ihrer Heimatstadt für Sex mit Berlusconi in dessen Villa in Rom bezahlt worden. Dies konnte sie mit einer Tonbandaufnahme belegen, die später im Internet zu hören war. Außerdem wurde ihr für ihre "himmlischen Dienste" eine aussichtsreiche Kandidatur bei den anstehenden Wahlen in Aussicht gestellt. Silvio stritt das natürlich ab und beteuerte, eine göttlichen Liebhaber zu sein, was in der Öffentlichkeit für schallendes Gelächter sorgte. Außerdem gab der Unternehmer Giampaolo Tarantini aus Bari bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll, dass er Berlusconi bei 18 Festen 30 junge Frauen zugeführt habe, von denen mindestens zehn Prostituierte waren. Das ganze erinnert mich wieder an den traditionellen Islam, wo jeder Ölscheich seinen eigenen Harem hat. Ist sich Silvio wirklich sicher, dass es nicht er ist, der 1400 Jahre in der Vergangenheit lebt? :o)

Aber Leute jetzt mal ernsthaft: Nehmt den Italienerin den Silvio nicht so krumm. Zum einen kriegen unsere gewählten politischen Vertreter ihr Maul bei einem Multimilliardär eh nicht auf. Des Weiteren haben wir Deutschen mit Roland Koch in Hessen unseren eigenen Berlusconi, der unliebsame Medienleute wie Nikolaus Brender beim ZDF mit unwahren Tatsachenbehauptungen einfach aus dem Verkehr zieht. Auch beim Thema Korruption, Schwarzgeld und Parteispendenaffairen haben CDU/CSU und FDP jede Menge Sünder vorzuweisen, während auch SPD und Grüne sich nicht gerade aus Saubermännern zusammensetzen. Sprich: Silvio ist kein Einzeltäter, sondern macht nur etwas extremer das, was mittlerweile in einigen sogenannten Demokratien Gang und Gebe ist. Er ist nicht mehr als ein Spiegel der derzeitigen politischen Führungsebene, die in manchen Ländern Bordell ähnliche Zustände herbeigeführt hat.

Die Italiener sind unsere Freunde. Deshalb sollten wir die Klugen von ihnen mit Silvio nicht allein lassen. Es gibt hierzulande kaum jemand, der Italien nicht mit schönen Urlaubserinnerungen verbindet. Wenn ich das Lied "Fotonovella" von Ivan höre, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Ist außerdem nicht jeder schon mal dem italienischen Charme erlegen? Besonders denke ich dabei an meine langjährige Internetfreundin Maria Sorpresa, die einen ganz tollen Blog hat:

http://indexexpurgatorius.myblog.de/


Es mag sein, dass sie manchmal etwas zu bissig ist und beim Thema Islam manchmal stark instrumentalisiert, aber sie ist ein kluger Kopf und immer wieder originell :-)

Bald auch Marktführer bei italienischen Nikoläusen?

Silvio in seiner Lieblingsposition :o)

Berlunikolaus.jpg


Vielleicht wird die Mehrheit der Italiener eines Tages erkennen, dass Silvio gar kein Italiener ist, sondern eine "Ein Mann-Show". Daher hab ich mir für die Zeit danach eine großartige Geschäftsidee für ihn ausgedacht: Warum wird Silvio nicht Hersteller von zweideutigen Nikoläusen mit ihm als Motiv? Das hätte für ihn den Vorteil, dass er dann immer steht und für Sex nicht mehr bezahlen muss. Damit wäre er sicherlich wieder Marktführer und somit erneut in seiner Lieblingsposition :o)

Herzlichtst
Punisher :-)


Quellen

Artikel bei hr online vom 09.04.2006

http://de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Berlusconi

http://swiss-lupe.blogspot.com/2008/04/sivlio-berlusconi-die-besten-zitate-die.html

http://de.wikiquote.org/wiki/Silvio_Berlusconi

Artikel beim Spiegel vom 08.10.2009

Artikel beim Spiegel vom 09.10.2009

http://www.news.de/politik/855036636/krieg-ist-manchmal-notwendig/1/


Berlusconi als Popstar (Berlusconi Song):

Berlusconi Song




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